Samstag, 1. November 2014

Trainer, Gurus, Methoden - Warum man alles hinterfragen sollte

Foto by Spiegelwelt Fotografie

Coaches, gurus, methods - why you should question everything


~Please scroll down for English~

Liebe Leser,

heut zu Tage gibt es so viele Meinungen und auch Trainer, manche mehr oder weniger berühmt, die die Pferdwelt verändern. Auch Menschen mit gut gemeintem Rat, sei es die beste Freundin, Kollegen am Stall
oder Leute wie ich, die ihre persönliche Erfahrungen im Internet teilen.

Ich finde es extrem wichtig, all diese Meinungen und Methoden kritisch zu hinterfragen, auch meine Meinungen und Methoden!

Ich persönlich bin nie ganz gegen einen Trainer, aber auch nicht immer ganz dafür. 






1. Bekannte Pferdetrainer


Widmen wir uns als erstes den berühmten Trainern. Bei manchen scheint es mir, dass sich ein regelrechter Kult entwickelt hat und der Trainer schon fast eine art Guru ist.


1.1 Pat Parelli



Ich "spiele" hier die "7 Games" nach Parelli
Das klassische Beispiel dafür ist Pat Parelli. Er ist ein klasse Horseman und hat es geschafft eigentlich stinknormale Trainingsmethoden den Menschen nahe zu bringen. Was man bedenken sollte: Hier steckt eine menge Marketing und Geldmacherei dahinter, aber im Grunde ist das, was er tut und an den Mann bringt recht gut.

Wo ist dann das Problem? - Das Problem ist, jeder macht mal Fehler. Auch Pat Parelli. Und auch viele seiner Parelli Instruktoren oder seine Frau Linda. Fehler passieren, das ist ganz normal. Aber wenn diese Fehler nicht zugegeben werden oder unerfahrene diese Fehler nicht erkennen, dann haben wir ein Problem.

1.2 Monty Roberts


Ein anderes Beispiel ist Monty Roberts. Ein weiterer, der sich mit Pferden und deren Sprache und Lernverhalten überdurchschnittlich gut auskennt aber auch eine wahnsinns Affinität zur Geldmacherei hat.

Der größte Quatsch ist zum Beispiel, dass er für alles Mögliche erstmal behauptet, dass dies nur mit seinem "Dually-Halfter" zu bewältigen ist. Zweites Problem: Wie viele Trainer benutzt er "Abkürzungen". Ich bin der Meinung, dass man wirklich gute Ergebniss (die langfristig vorhalten) nur bekommt, wenn man sich Zeit lässt. Hier ein Beispiel:


"Frag Monty" von Monty Roberts, S.53
"FRAGE 22

Mein Pferd ist total stur. Wenn ich versuche, es irgendwohin zu führen, wohin es nicht will, bleibt es einfach stehen [...]

ANTWORT
MONTY ROBERTS

Dieses Problem begegnet mir [...] nur allzu häufig und ich kann es normalerweise innerhalb weniger Minuten beheben. Allerdings braucht man dazu einen Ausrüstungsgegenstand, [...], ein Dually Halfter. Wenn das Pferd sich diesem Halfter widersetzt, zieht es sich zusammen [...]"

1. Dies ist eine Abkürzung  ("innerhalb weniger Minuten"). Mit intensivem Training und einem konsequenten Verhalten bekommt man das auch hin. Vorraussetzung ist, man investiert die Zeit eine Beziehung mit dem Pferd aufzubauen, man braucht gegenseitigen Respekt. Dafür muss man aber ständig etwas tun. Leute heutzutagen wollen immer schnell ein gutes Ergebnis, ohne viel dafür zu tun. Das Pferd sollte im Endeffekt einem doch aus Vertrauen folgen, nicht weil man an einem Strick zieht, oder?
2. Ich halte nichts von Dingen am Pferdekopf, die sich zusammenziehen, auch wenn es in der Tat
wirkungsvoll sein kann.
3. Wenn man doch für's Zusammenziehen wäre, tut das auch ein normales Halfter mit Hengstkette. Dazu braucht man auch nicht sein Dually-Halfter.

Ich hatte schon diverse Pferde, die mir erst nicht folgen wollten, habe das ganze aber immer gelöst bekommen. Ich hatte dabei nie ein Dually-Halfter oder etwas Ähnliches, dass sich zuziehen könnte, benutzt.

Es gibt diverse Sachen, die ich bei Monty Roberts nicht gut finde. Z.B. befürwortet er auf Seite 76 des oben genannten Buches das "Imprinting" bei Fohlen. Ich habe auch mal gehört, dass er für die grausamen Methoden ist, mit denen man Tennessee Walker in der Show-Welt behandelt. Allerdings ist diese Quelle schwammig.

Grundsätzlich, ist Monty Roberts aber ein Pferdeversteher und hat auch viele wertvolle Tipps.


2. Der Trainer von Nebenan


Das wichtigste ist eigentlich schon gesagt.
Was ich euch hierbei noch ans Herz legen möchte:

Solltet ihr euer Pferd zu einem Trainer schicken, dann achtet darauf, dass ihr euer Pferd jederzeit (auch unangemeldet) besuchen dürft. Außerdem sollte der Trainer euch vermitteln können, was er mit eurem Pferd tut und wie ihr es zu Hause selber umsetzen könnt. Im besten Fall gibt er euch auch Unterricht, konstruktive Kritik und arbeitet darauf hin, dass ihr ihn irgendwann nicht mehr braucht.

Sollte das nicht der Fall sein, dann läuft man wieder Gefahr auf die Geldmasche reinzufallen. Ein Trainer, der euch zum Schluss nur "das fertige Pferd" in die Hand drückt, hilft euch nicht weiter. Er hofft vielleicht sogar darauf, dass ihr nochmal wiederkommen müsst, damit er Geld an euch verdienen kann.

Zum Glück ist mir das bisher noch nie unter gekommen, ich habe lediglich von anderen davon gehört aber selber noch keinen solchen Trainer kennen gelernt.


3.  Mitreiter, Bekannte und Klugscheißer wie ich



Diese Gruppe meint es eigentlich immer nur gut. Viele Leute ohne Trainerschein wissen sogar manchmal mehr als so manche mit und gerade Leute, die ihr Wissen an den Mann bringen ohne davon zu profitieren (keine Geldmacherei), geben ihre ehrliche Meinung wider. Die muss aber nicht immer richtig sein.

Ein Tipp: Wenn euch jemand weiterhelfen will, weil er das gleiche Problem hat, dann recherchiert lieber woanders. Hätte sein Ratschlag Wert und würde wirklich helfen, hätte er sein Problem schon längst gelöst.




Bildet euch weiter, nutzt verschiedene Quellen und Medien, glaubt nicht alles was euch erzählt wird und denkt dabei immer an das Pferd. Lernt für das Wohlergehen der Pferde.

Habt ihr auch schon einmal so etwas erlebt?

Vielen Dank fürs Lesen!

Bis zum nächsten mal,

Nina











Dear readers

today there are so many opinions and trainers out there, some more or less famous, that are influencing the horse world. Also people with well-intentioned advice, like your best friends, people from your barn or people like me, that share their personal experience via the internet.

I think it's very important to question all these opinions and methods critically, as well my methods and opinions!

I never hold a grudge against a horse trainer but I also never agree blindly with everything.




1. Famous horseman


Let's talk about the famous horsemen first. With some I have the feeling that there is already some kind of cult growing where the horseman is almost a guru.


1.1 Pat Parelli



Me playing the"7 Games" by Parelli
The classical example is Pat Parelli. He's a great horseman and succeded in making common horsetraining understandable for non-professionals. What you should have in mind: There is a lot of marketing and mony-making involved but basically what he teaches is quiet good.

So where's the problem? - The problem is that everybody makes mistakes. Also Pat Parelli. Ans also some of his Parelli-Instructors and his wife Linda. Mistakes happen, that's okay. But if you don't acknowledge your mistakes and inexperienced people don't see the mistake, then you've got a problem.

Quiet famous is a video with Linda Parelli. When I watched it the first time I was like "What the **** does she want from that poor horse?" - If I don't even get the point, how should the horse? In the beginning she gave the right instructions but further in the video everything becomes very dubious. Bad thing about this is that she tried to justify her actions and all those who "worship" Parelli think what she did was correct. This won't happen to those who question everything critically. They would understand that Parelli is a great training method (in my opionion it's nothing special, it's just horsemanship that is well marketed) but what Linda does in this video is something else.

This is the video with my personal commetnary (Language German, English Subtext):





1.2 Monty Roberts


Another example is Monty Roberts. Another who is pretty good at horsemanship, understanding the horse's bodylanguage and learning behaviour but also with a huge affinity to money-making.

For example the biggest BS is, that he'll tell you for almost everything, that you need a "Dually-Halter" to solve the problem. Second problem: Like many horsetrainers he uses "Shortcuts". In my opinion you only get good an longlasting results if you take your time, take the long way and the time that is needed. An example from a book I got in the library (it's in German) I translated mit with best intentions:


"Frag Monty" von Monty Roberts, S.53
"QUESTION 22

My horse is totally stubborn. When I try to lead it somewehere, ehere it doesn't want to got, it stands still[...]

ANSWER
MONTY ROBERTS

I come across this problem [...] often and can usually solve it in a few minutes. But you need a special equipment, [...], a Dually Halter. When the horse tries to resist the halter, it contracts [...]"

1. This is a shortcut.  ("in a few minutes"). With intensive training and consequent behaviour you could also archieve the goal. It just requires your will to invest in a relationship with the horse, where you are the higher horse. But you have to work for this permanently. People today always want a quick and good result, without doing something for it. In the end I want my horse to follow because of trust and because it sees me as his leader and not because I'm pulling at a rope, am I right?
2. I don't want anything close my horse's head that contracts, pulls itself together, even if it is effective.
3. And if you'd be pro contraction, then a normal halter with a rope or chain around the noseband would do too. You don't need his special Dually-Halter.

I already met several horses that wouldn't follow me in the beginning, but I always solved the problem. I never used a Dually-Halter or anything that would cause a contraction.

There are several things that Monty Roberts agrees with that I don't agree with. For example . on page 76 of the book mentioned above, he sais he agrees with imprinting foal, I don't. I also heard he agrees with the methods they use in the cruel Tennessee Walker show world. But the source is not 100% reliable.

Basically Monty Roberts is a good horseman, who understand horses and offers a lot of goof advice.


2. Coaches from next door


I already talked about the most important things.
One more thing:

Should you every take your horse to a trainer, make sure you are allowed to visit your horse anytime (without making appointments). Also he should be able to tell you how he's working with your horse and how you can implement this at home. In the best case he would also offer you riding lessons, constructive criticism and will try his best that you won't need him anymore one day.

Otherwise you could be a victim of money-making. A coach that would just return the "trained horse" won't really help you. He might even hope, that you have to come back again for help, so he can get more money out of you.

Luckily this never happened to me ,I only heard of this through other people but never met such kind of horse trainer.


3.  Other riders, friends and smartasses like me



Those people usually have good intentions. A lot of people without certificates or licences know even more that those who got them and especially people who'd like to spread their knowledge without making money, will give you their honest opinion. But that doesn't make it correct in every case.

Tip: When somebody who has the same problem you have wants to give you advide then better look for help somewhere else. If his advice would be valuable and helpful, he'd already cured his problem.




Please improve yourself, use different surces and types of media, don't believe everything you hear and always think about the horse. Do it for the horse's sake.

Did you maybe experience something like this, too?

Thanks for reading!

See you soon,

Nina



Kommentare:

  1. Hey Nina,
    ein interessanter Post, wieder mal! Bin leider erst jetzt dazu gekommen ihn zu lesen, bzw. zu sehen.
    Ich stimme dir voll zu. Eine solche Erfahrung in meinem alten Reitstall habe ich auch bereits hinter mir. Wenn eine Westernreiterin, eine Englischreiterin und eine Freizeitreiterin alle gleichzeitig auf einen einreden, ist das echt anstrengend. Ich wäre zwar echt froh über einen Rat gewesen, doch wenn einer sagt "Zügel locker" und der andere "Zügel stramm halten", dann kann das schon einmal nicht funktionieren.
    Am besten man hat was das betrifft die Person seines Vertrauens, die ähnliche Ansichten hat und einem Ratschläge gibt, die sich nicht widersprechen.

    Vielen Dank für deinen Post!

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  2. Hallo Alexa,
    vielen Dank für deine Meinung, freut mich dass dir der Post gefallen hat. Ich habe deinen Beitrag auch erst jetzt gelesen.
    Viele Grüße
    Nina

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  3. Schwieriges Thema. Gerade bei Parelli ärgern mich die ständigen Hinweise auf die Marketingmachinerie schon. Der Mann kann was, und war clever genug, es geschickt zu vermarkten. Und daraus will man ihm einen Strick drehen? Man muss seine Produkte ja nicht kaufen. Ohne Parelli und ohne Roberts wäre Horsemanship lange nicht so verbreitet auf der Welt. Die Bescheidenheit der Alten, Dorrance und Hunt, in Ehren: Nur wer wüsste heute noch von ihnen außer den Glücklichen, die die Chance hatten, mit ihnen zu arbeiten… ansonsten sehe ich das aber genauso wie du: Unser Trainer mag mehr wissen, als wir selbst. Dennoch können wir unser Hirn gebrauchen und hinterfragen, ob das, was wir (unter Anleitung) tun, richtig ist oder nicht. VG!

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    1. Der Post deckt natürlich direkt die Negativbeispiele auf. Wie gesagt, ich arbeite ja selbst in einigen Dingen nach Parelli, und natürlich muss man sich ja auch irgendwie klug vermarkten um davon leben zu können und um solch ein Wissen zu verbreiten. Aber manchmal wird es auch ein wenig missbraucht. Parelli und Monty Roberts sollen hierbei auch mehr als Beispiel stehen. Im Endeffekt will ich auf das "unser Hirn gebrauchen" hinaus. Denn jeder macht einmal Fehler, auch die Profis.

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