Donnerstag, 2. April 2015

Freiwilligenarbeit auf Pferderanches - Ein typischer Tagesablauf

~ Post only available in German. English translation on request. This post is intended for Germans who consider work and travel or volunteering on horse ranches in Canada. If you don't speak German feel free to contact me via Facebook and ask your question in a private message ~



Liebe Leser,

im letzten Post zur Freiweilligenarbeit auf Pferderanches, habe ich euch mit den Voraussetzungen vertraut gemacht und euch einen groben Einblick gegeben, was euch dabei erwartet. Da ich oft gefragt werde, wie so ein typischer Tagesablauf aussieht, werde ich heute etwas intensiver auf das Thema eingehen.

Auf jeder Ranch oder Farm sieht so ein Tag natürlich anders aus und auch auf der gleichen Ranch variieren die Tagesaufgaben natürlich auch. Aber ihr wollt ja schließlich nur eine Vorstellung haben, also gebe ich euch einige Beispiele:



Freitag, irgendwann im Juli, auf einer Ranch mit Schwerpunkt Pferdezucht und Tourismus


07:00 Uhr

Der Wecker klingelt, du bist noch müde aber eigentlich schon wieder ganz gespannt was der heutige Tag bringen wird. Du stehst auf, guckst und wartest, dass das Bad frei wird und machst dich fertig für den Tag. Danach wird gemütlich gefrühstückt

08:00 Uhr

Los geht's! Die Pferde, die nicht den ganzen Tag auf der Weide stehen, haben hunger und bekommen ihr Heu. Das Wasser wird aufgefüllt und anschließend die Paddocks sauber gemacht. Je nachdem wie viele Pferde das sind, kann das ganz schön dauern.




10:00 Uhr

Die wichtigste Stallarbeit ist getan. Noch ist es nicht ganz so heiß und du holst ein Pferd von der Weide, mit dem du arbeiten sollst. Vielleicht ist es ein Pferd, dass du anreitest, ein junges Pferd, mit dem du Bodenarbeit machst, oder ein erfahreneres Pferd, auf dem du vielleicht sogar eine Reitstunde bekommst.

12:00 Uhr

Zum Reiten ist es jetzt zu heiß. Das Pferd ist nach dem Reiten nochmal geputzt und mit dem Wasserschlauch abgespritzt und wieder auf die Weide gebracht worden. Zum Mittagessen ist noch ein wenig Zeit und du kümmerst dich um einige Jungpferde, die sich an den täglichen Umgang gewöhnen sollen. Sie werden geputzt und bekommen eventuell schon einmal eine Decke gezeigt und lernen andere Gegenstände kennen, die später beim Einreiten benutzt werden.



13:00 Uhr

Nach der ganzen Bewegung bist du hungrig, es gibt etwas leichtes zu essen. Vielleicht einen Salat, ein Brot oder vielleicht auch spontan ein Spiegelei. Ein bisschen Zeit zum Ausruhen ist auch mit drin.

14:00 Uhr

Nach und nach soll der untere Weidezaun gestrichen werden und da gerade keine anderen Arbeiten anfallen, entscheidest du dich ein wenig dieser Aufgabe zu widmen.

15:00 Uhr

Ganz spontan hat sich eine Familie zu einem Ausritt angemeldet. Du lässt den Farbeimer stehen und machst dich trotz Hitze daran, gleich sechs Pferde von der Weide zu holen, zu satteln und zu putzen.


Foto: Stephy E.

Eigentlich hättest du nach einer Stunde Zaun streichen Feierabend machen können. Gemeinsam mit dem Ranchbesitzer oder einem Angestellten begrüßt du die Familie, machst sie mit den Pferden vertraut und hilfst ihnen beim Aufsitzen. Ihr begleitet den Ausritt, einer macht den Anfang, einer das Schlusslicht. Anschließend werden die Pferde wieder versorgt. Nach dem Ritt unter der heißen Sonne und zerstochen von Moskitos, bist du schon etwas müde.

Foto: Ullu V.


17:00 Uhr

Jetzt wäre eigentlich Zeit für den Feierabend, aber das gefräßige Kaltblut hat es geschafft den Zaun zu zertrümmern um an die leckeren Kräuter auf der anderen Seite zu kommen. Es hilft nichts, du musst das Pferd einfangen, zurück bringen und natürlich die Bretter wieder festnageln. Danach findest du dich endlich in der Küche ein, um beim Zubereiten des Abendessens zu helfen, während einige deiner Mithelfer die Pferde füttern.

19:00 Uhr

Gemeinsam wird gegessen, danach entscheidest du, ob du duschen und früh ins Bett gehen möchtest, oder lieber mit den anderen ein paar Marshmellows über dem Feuer rösten möchtest.




Samstag, irgendwann im Juli, auf einer Ranch mit Schwerpunkt Pferdezucht und Tourismus


07:00 Uhr

Dein Tagesablauf beginnt wie gestern, aber heute musst du dich ein wenig mehr beeilen, da sich bereits für den Vormittag schon Gäste für einen Ausritt angekündigt haben. Das Pferdefüttern und Misten fällt zügig aus und du machst wieder die Pferde für den Ausritt parat. Ein Glück, du darfst dich wieder in den Sattel schwingen und einen Ausritt bei etwas angenehmeren Temperaturen genießen.

Foto: Sina H.


12.00 Uhr

Du streichst endlich den Zaun zu Ende, den du gestern angefangen hast.

13:00 Uhr

Beim Mittagessen sagt der Rancher dir, dass so schönes Wetter ist, und ihr gerne einen Tag am Fluss verbringen könnt. Wenn es abends etwas abgekühlt ist, bittet er dich den Garten zu Wässern und wie immer die Pferde zu füttern.

18:00 Uhr

Du wässerst wie versprochen den Garten, nachdem du wieder gut erholt bist. Dabei fällt dir auf, wie dreckig die Terrasse ist und entschließt dich freiwillig, einmal kurz drüber zu fegen. Danach fütterst du die Pferde und triffst dich zum Abendessen.




Sonntag, irgendwann im Juli, auf einer Ranch mit Schwerpunkt Pferdezucht und Tourismus


10:00 Uhr

Heute durftest du einmal ausschlafen, eine Mithelferin hat sich heute morgen alleine um die Pferde gekümmert, dafür bist du nächsten Sonntag an der Reihe.

11:00 Uhr

Nach dem Frühstück dürft ihr euch das Auto leihen und fahrt in die nächstgelegene Stadt um shoppen zu gehen, im Internet zu surfen und im Vorbeifahren etwas vom Land zu sehen. Das hattet ihr eigentlich letzte Woche schon vorgehabt, aber da kam spontan eine Großfamilie in die Quere, die einen Ausritt buchen wollte.

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17:00 Uhr

Am Ende des Tages sitzt ihr gemütlich auf der Terrasse, trinkt Limonade und erzählt von eurem Tag. Nebenbei helft ihr dabei die neuen Werbeflyer für die Ranch zu falten. Anschließend werden die Pferde gefüttert, ein kleines Barbecue mit den Nachbarn veranstaltet und du hast die Gelegenheit ein paar Weitere "Einheimische" kennen zu lernen.



Montag, irgendwann im Juli, auf einer Ranch mit Schwerpunkt Pferdezucht und Tourismus


07:00 Uhr

Deine Tagesablauf beginnt

10:00 Uhr

Mittlerweile ist es bei einigen Pferden notwendig, die Hufe zu bearbeiten. Dein Arbeitgeber macht das ganze selber und du hilfst ihm dabei, die Pferde zu halten. Er zeigt dir wie man einen Huf korrekt ausschneidet und raspelt, zum Schluss darfst du es bei einem braven Pferd unter Aufsicht sogar selbst versuchen.

14:00 Uhr

Die Zeit verging mal wieder wie im Fluge. Zeit für einen kleinen Mittags-Snack

14:30 Uhr

Es ist etwas abgekühlt und du überlegst mit einem der Pferde zu arbeiten. Doch plötzlich fängt es an zu Gewittern und zu schütten wie aus Eimern. Du machst dich nützlich und putzt das Bad, während deine Mithelfer einmal durch das Haus durchwischen, die Spülmaschine ausräumen und den Backofen mal wieder gründlich reinigen.



16:00 Uhr

Das Wetter ist immer noch nicht besser geworden. Du ziehst dich ein wenig zurück um etwas zu lesen oder in dein Reisetagebuch zu schreiben.

17:00 Uhr

Dir fällt ein, dass der Rancher mal gesagt hat, dass der Schrank in der Sattelkammer immer so unordentlich ist. Während draußen alles nass ist, nutzt du die Zeit um dort etwas Ordnung zu schaffen. Schließlich werden wieder die Pferde gefüttert und es ist Zeit zum Abendessen.




Ein anderes Beispiel





Freitag, irgendwann im Mai, auf einer Gemüse-Farm mit Pferden


06:30 Uhr

Dein Wecker klingelt und du machst dich bereit für deinen Arbeitstag. Vor der Arbeit wird noch gemeinsam gefrühstückt.

07:30 Uhr

Ihr trefft euch am Gewächshaus und die Aufgaben für den Arbeitstag werden verteilt. Nachdem du gestern im Gewächshaus kleine Tomatenpflanzen umgetopft hast, fährst du heute raus aufs Feld um Kürbisspflanzen und Melonen rauszusetzen. Der Farmer zeigt dir, wie du das ganze richtig machst, denn die Pflanzen sind empfindlich. Danach kannst du den Prozess schon ganz alleine: Vorsichtig aus dem Behälter nehmen, ins vorgeschaufelte Loch setzen, zuschaufeln und mit dem stinkenden Bio-Dünger übergießen, nachdem du übrigens den Rest des Tages riechen wirst. Um dich herum ragen die Berge auf und mit dem mitgebrachten Fernglas, kannst du sogar auf dem Hang auf der anderen Seite des Tals eine Bärenfamilie erkennen.



10:30 Uhr

Damit es nicht zu eintönig wird, wechselt ihr euch ein wenig mit den Aufgaben ab. Für dich geht es nun ab ins Knoblauchfeld, Unkraut jäten, bis es Zeit zum Mittagessen ist.

13:00 Uhr

Das Essen ist heute wie an den meisten Tagen schon zubereitet, du hilfst beim Tischdecken und nach dem Essen beim Abräumen und Spülen.

14:00 Uhr

Jetzt steht dir der ganze Nachmittag offen. Nachdem du die letzten Nachmittage Wandern warst, hat die Farmerin heute wieder etwas mehr Zeit für dich. Sie zeigt dir einige Methoden in der Bodenarbeit, die du bisher noch nicht kanntest und gibt dir anschließend eine Reitstunde.

Foto: Simone A.


17:00 Uhr

Du schaust nach den Katzenbabys und stellst für die Hunde das Futter bereit. Anschließend überlegt ihr gemeinsam was ihr Kochen möchtet, kontrolliert den Bestand des Kühlschranks und schreibt eine Einkaufsliste.

19:00 Uhr

Gemeinsam esst ihr zu Abend, schaut gemeinsam einen Film an und legt euch anschließend schlafen.


Samstag, irgendwann im Mai, auf einer Gemüse-Farm mit Pferden


10:00 Uhr

Normalerweise hast du Samstags frei, aber morgen möchten die Farmer auf einen Markt fahren und ihr Gemüse und ihre Pflanzen verkaufen. Dazu muss noch einiges vorbereitet werden.

11:00 Uhr

Du wässerst die Pflanzen im Gewächshaus, das muss schließlich trotzdem jeden Tag gemacht werden. Anschließend hilfst du dabei Pflanzen in Körbe zu packen und in den Truck zu laden. Danach wird Salat geerntet und ebenfalls verpackt und verladen.



14:00 Uhr

Es gibt eine Kleinigkeit zu Mittag

14:30 Uhr

Die letzten Vorbereitungen werden getroffen und die Farmer reisen ab um auf den Markt zu fahren.

15:00 Uhr

Alleine darfst du mit den Pferden nicht arbeiten. Ein Mithelfer hat ein eigenes Auto und ihr fahrt spontan zu einem Ort in der Nähe und geht wandern. Dabei besichtig ihr eine alte Mine und geht anschließend lecker essen.

Foto: Simone A.



Sonntag, irgendwann im Mai, auf einer Gemüse-Farm mit Pferden


08:00 Uhr

Dein Wecker klingelt nur, weil die Farmer heute nicht da sind. Du ziehst dir schnell was über und gehst die Pferde füttern, danach machst du es dir noch ein wenig gemütlich, dann wird gefrühstückt.

12:00 Uhr

In der Umgebung findet ein Rodeo statt und ihr habt gemeinsam beschlossen dort den Nachmittag zu verbringen.



18:00 Uhr

Die Tiere werden gefüttert, ihr kocht gemeinsam und lasst den Tag gemeinsam beim Austauschen der Fotos ausklingen.



Montag, irgendwann im Mai, auf einer Gemüse-Farm mit Pferden


06:30 Uhr

Dein regulärer Tagesablauf beginnt.

07:30 Uhr

Heute soll die Obstplantage gedüngt werden. Der Farmer hat bereits einen Anhänger mit Mist beladen. Während er im Schritttempo an den Obstbaumreihen vorbei fährt, bist du mit einer Schaufel bewaffnet und hilfst den anderen dabei, den Mist um die Bäume zu schaufeln. Hierbei musst du schnell sein!



10:30 Uhr

Eine Lieferung mit selbst hergestellten Apfelchips ist eingetroffen. Da es angefangen hat zu regnen, kommt das gerade gelegen. Deine Aufgabe ist es, sie in Tüten zu packen. Es muss genau abgewogen werden, damit die Menge stimmt. Schließlich steht es auf dem Etikett, dass du anschließend aufkleben musst. Danach hilfst du beim Kochen.

13:00 Uhr

Ihr esst gemeinsam zu Mittag und kümmert euch um den Abwasch.

14:00 Uhr

Du verbringst den Nachmittag erst einmal damit dein Zimmer aufzuräumen und hilfst den anderen dabei auch in den Gemeinschaftsräumen Ordnung zu machen.

15:30 Uhr

Als die Sonne raus kommt, fragt ihr ob ihr etwas mit den Pferde machen dürft und die Farmerin begleitet euch auf einen Ausritt.

Foto: Lauren S.


17:30 Uhr

Nachdem die Pferde versorgt sind seht ihr, dass die Farmer noch auf dem Feld sind um Steine aus dem nun feuchten Boden aufzulesen. Ihr gesellt euch dazu und helft freiwillig ein wenig mit.

18:30 Uhr

Gemeinsam kocht ihr und esst zu Abend.





Das waren nun zwei ganz unterschiedliche Beispiele. Von Farm zu Farm fallen jedoch andere Aufgaben an. Man hat vielleicht ganz andere Arbeitszeiten und der Aspekt Pferd fällt vielleicht größer oder kleiner aus. Auf einer Ranch mit Rindern sieht wieder alles ganz anders aus, oder auf einer reinen Guest Ranch. Da werdet ihr vielleicht auch Cabins reinigen, Betten beziehen und Kunden betreuen müssen. Überlegt euch genau was ihr euch vorstellt und was ihr bereit seid zu machen und was nicht. Dann könnt ihr entscheiden, was das richtige für euch ist.

Ihr müsst auch nicht die ganze Zeit auf einer Ranch bleiben. Es ist super interessant verschiedene Orte und Farmen kennen zu lernen, das machen die meisten so. Wichtig ist nur, dass ihr euch so gut es geht an die Dauer haltet, die ihr dem Farmer verspricht da zu sein. Wenn ihr euch aber ganz unwohl fühlt, scheut euch nicht das Problem anzusprechen.

Solltet ihr vielleicht sogar mit einer Organisation unterwegs sein, kann euch der Betreuer vor Ort auch dabei helfen. Sowohl beim Ansprechen von Problemen oder auch tatsächlich dann, wenn ihr euch so unwohl fühlt, dass ihr so schnell wie möglich die Farm wechseln wollt.

Ob mit Organisation oder auf eigene Faust ist jedem selbst überlassen und hat beides Vor- und Nachteile. Das Pro und Contra werde ich demnächst in einem weiteren Blog Post zu diesem Thema behandeln, also schaut wieder vorbei!


Was sagt ihr zu den Tagesabläufen? Hättet ihr nicht gedacht, dass es so anstrengend ist? Oder kommt es euch eher locker vor?


Es ist schwierig so viele unterschiedliche Tage zusammen zu fassen. Manchmal ist ein Tag sehr anstrengend, dafür ein anderer kaum.

Ich freue mich auf eure Meinungen. Hinterlasst einen Kommentar hier unter dem Post oder auf Facebook. Dort freue ich mich auch alternativ über eine private Nachricht, sollte euer Anliegen persönlicher sein.

Bis zum nächsten Mal,

Nina



Kommentare:

  1. Ihr geht sonntags shoppen in Canada? Haben die da nicht wie in Deutschland alles zu?

    Die Tagesabläufe klingen danach, dass man sehr selbstständig sein sollte und auch Eigeninitiative mit einbringt. Das finde ich gut. Und anstrengend ist es nur, wenn man an den Dingen keinen Spaß hat. Ich denke mal, dass ausreiten für viele zu Freizeit zählt und nicht zu Arbeit ;-)
    Vielen Dank für den Einblick!

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    1. Ja in Kanada kann man auch Sonntags shoppen gehen! Die großen Malls haben eigentlich immer geöffnet, nur bei kleineren Geschäften darf man das nicht erwarten.

      Das hast du ganz richtig erfasst, Eigeninitiative ist ganz wichtig. Immerhin ist man ja auch freiwillig da!
      Und es macht ja auch Spaß, wenn man es will :)

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