Donnerstag, 30. April 2015

Freiwilligenarbeit auf Pferderanches - Auf eigene Faust, so geht's!

Post only available in German. English translation on request. This post is intended for Germans who consider work and travel or volunteering on horse ranches in Canada. If you don't speak German feel free to contact me via Facebook and ask your question in a private message ~

Liebe Leser,


heute habe ich eine "Anleitung" zusammengestellt, wenn ihr euch nach meinen letzten drei Blog Posts zum Thema "Freiwilligenarbeit auf Pferderanches" dazu entschieden haben solltet, dieses Abenteuer auf eigene Faust zu wagen.




Solltet ihr die vorausgehenden Posts noch nicht kennen, findet ihr sie hier:

Teil 1: Was man unbedingt wissen sollte
Teil 2: Ein typischer Tagesablauf
Teil 3: Mit oder ohne Organisation?

Folgende Punkte werde ich hier behandeln:

1. Welches Visum ist notwendig und wie wird es beschafft?
2. Wie finde ich eine Farm oder Ranch?
3. Anreise - wie komme ich hin und wo fange ich an?
4. Fortbewegung in Kanada
5. Was mache ich, wenn es Probleme mit meinem "Host" gibt?
6. Was brauche ich sonst noch?
7. Was packe ich in meinen Koffer?

1. Welches Visum ist notwendig und wie wird es beschafft?

Für Freiwilligenarbeit reicht ein Touristenvisum, mit dem ihr maximal 6 Monate im Land bleiben dürft. Ihr erhaltet es bei der Einreise - es ist nur ein Stempel in eurem gültigen Reisepass (den braucht ihr natürlich auch). Wichtig: Ihr dürft mit diesem Visum kein Geld verdienen.

Eine neue Regelung besagt, dass es sich nur um Freiwilligenarbeit / Wwoofing handelt, wenn man maximal 4 Wochen am Stück auf einer Farm oder Ranch bleibt. Das kann natürlich meist keiner kontrollieren.

Ein Tipp: Sagt bei der Einreise am Flughafen nicht, dass ihr hier seid um auf Farmen oder Ranches zu arbeiten. Benutzt das Wort "arbeiten" einfach überhaupt nicht! Einige Beamte reagieren da allergisch drauf oder wollen nicht verstehen, dass ihr dabei nicht vor habt Geld zu verdienen. Sagt einfach ihr macht Urlaub und wollt das Land bereisen.

Natürlich solltet ihr über genügend Geld verfügen, falls ihr mal zwischenzeitlich keinen Platz auf einer Farm findet oder einfach nur Lust habt mal zu Reisen und nicht zu arbeiten und um besagte Beamte am Flughafen zu beruhigen!

Solltet ihr Geld verdienen wollen braucht ihr ein Working Holiday Visum. Genauere Infos findet ihr unter dieser offiziellen Seite der kanadischen Regierung. Etwas weniger bürokratisch und vor allem auf Deutsch gibt Travelworks hier gute Infos. Da ich nur nur gegen Kost und Logi gearbeitet habe und solch ein Visum nicht gebraucht habe, bin ich in diesem Feld kein Experte.

2. Wie finde ich eine Farm oder Ranch?

Ihr meldet euch am besten bei wwoof.ca und helpx.net an. Die Mitgliedschaft kostet z.B. bei wwoof.ca 55,- $ pro Jahr und lohnt sich! Helpx ist die günstigere, weniger populäre Variante aber auch in Ordnung.




Hier könnt ihr nach "Hosts" suchen, die Plätze auf ihrer Farm oder Ranch anbieten. Oft steht auch schon dabei was genau für Fähigkeiten gebraucht werden und was für Arbeiten ihr in etwa machen müsst. Es gibt auch viele Ranches mit Pferden, die auch gerne Leute aufnehmen, die sich noch nicht so gut mit Pferden auskennen. Entsprechend werden dann natürlich die Arbeitsaufgaben nach eurem Können vergeben.




Ihr bekommt nicht einfach wahllos Adressen aus dem Internet, sondern geprüfte Farmen und Ranches. Wenn ein Arbeitgeber dubios erscheint oder viele negative Rückmeldungen eingehen, dann wird er aus dem Verkehr gezogen.

Bei wwoof.ca findet ihr auch nochmal Informationen zu Einreisebestimmungen und andere hilfreiche Tipps. Ich empfehle die FAQ zu lesen, vor allem der Abschnitt "What about safety" ist sehr interessant.

3. Anreise - wie komme ich hin und wo fange ich an?

Freiwillige Arbeiter auf Farmen und Ranches werden in ganz Kanada Angeboten, jedoch ist der Westen um einiges Populärer, vor allem British Columbia und Alberta. Hier gibt es auch eine riesen Auswahl. Sehr viel "pferdige" Ranches gibt es vor allem im Süden von B.C. und im Herzen von Alberta, Cowboy Country um Calgary und Red Deer, nur um einige Beispiele zu nennen.



Vor allem werden die, die sich Kanada schon immer als Traumland vorgestellt haben, hier am meisten auf ihre Kosten kommen. Die Natur ist hier atemberaubend. Die Prärien in Saskatchewan und Manitoba haben auch Ihren Charme, aber viele assoziieren Kanada erstmal mit Bergen.

Die Rocky Mountains in Alberta


Typischer "Start-Ort" ist Vancouver, aber auch Calgary. Ich kenne beide Städte und fand Vancouver viel schöner. Beide Orte sind mit Direktflügen gut von Deutschland aus zu erreichen und tun sich auch nicht viel im Preis. Ich würde euch Vancouver empfehlen. Die besten Verbindungen von Deutschland gibt es ab Frankfurt oder München.

Wichtig: Unbedingt ein Rückflugticket buchen - also gleich einen Hin- und Rückflug. Denn ohne ein Rückflugticket dürft ihr nicht einreisen. Außerdem ist das viel günstiger als zwei Oneways. Wenn ihr noch nicht wisst wann ihr zurück fliegen möchtet, bucht trotzdem gleich beides zusammen. Es gibt etwas teurere Tarife, die eine Umbuchung des Rückfluges erlauben. Diese sind aber immer noch billiger als das Buchen von zwei Oneways.

Downtown Vancouver - Die Tannen ganz hinten gehören schon zum Stanley Park


In Kanada kommt ihr von den Flughäfen super mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt. In Vancouver ist es z.B. der Skytrain. Klappt wunderbar! Außerdem gibt es noch ein gut ausgebautes Bus-Netz.
Gut zu wissen: Das Bus Ticket wird vor Abfahrt gekauft, nicht beim Busfahrer.


Downtown Vancouver kann man auch prima zu Fuß erkunden


Angekommen in Vancouver (oder Calgary) nehmt ihr euch am besten ein paar Tage Zeit, verbringt ein paar Nächte in einem Hostel und gewöhnt euch an das neue Land. Ihr werdet in einem Hostel definitiv Gleichgesinnte finden, Leute die neu sind wie ihr und auch welche, die schon ein paar Wwoof-Erfahrungen hinter sich haben. Erkundet gemeinsam die Stadt und lasst euch Adressen von Farmen, Tipps für Reisen und andere nützliche hilfreiche Hinweise geben. Das meiste lernt man wirklich vor Ort aus den Erfahrungen anderer!

Mein Hostel Tipp: HI Hostels. Damit habe ich bisher immer gute Erfahrungen gemacht. Außerdem trefft ihr hier auf jeden Fall andere Wwoofer und Work&Traveler. Holt euch gleich die Mitgliedschaftskarte gegen eine geringe Gebühr, es lohnt sich auch hier. Ihr bekommt günstigere Übernachtungsraten und vor allem Vergünstigungen für Greyhoundbustickets! Hierzu gleich mehr.

Direkt um die Ecke der hübschen Bucht auf dem Bild weiter oben


Dieses HI Hostel ist meine Empfehlung für Vancouver. Super Lage in Downtown, man kommt überall leicht hin und hat den Strand und den Stanley Park fußläufig um die Ecke.


4. Fortbewegung in Kanada

Irgendwie müsst ihr dann auch schließlich zu eurer Farm oder Ranch kommen. Los geht's von der Stadt in Richtung Country.

Was in Deutschland die Deutsche Bahn ist, ist in Kanada der Greyhoundbus - eine Art Fernbus. Viele nennen es abenteuerlich damit zu reisen aber ich kann nicht klagen. Es mag nicht sehr komfortabel sein, aber ich bin sicher von A nach B gekommen. Ausnahmen bestätigen die Regel - Eine Bekannte ist samt Bus in einem See gelandet. Ich glaube ein Elch war schuld. So ist das in Kanada ;) Aber ich will euch jetzt keine Angst machen.

Benutzt den Greyhound, wirklich! Es sei denn ihr bleibt länger und wollt euch ein Auto kaufen.




Tickets könnt ihr sogar vorab online bestellen, selber ausdrucken oder so wie ich damals an der jeweiligen Station auf euren Namen hinterlegen lassen und dann dort bezahlen. Denkt dabei nur daran, dass die Station auch zu der Uhrzeit geöffnet haben muss, wenn euer Bus fährt!

Es gibt ziemlich viele Stationen über das Land verteilt. Fragt euren Host welche die nächste zur Farm ist. In 99,9 % der Fälle wird er euch anbieten euch dort abzuholen. Anders geht es auch einfach nicht.

Denkt dran beim Buchen des Tickets eure HI Membership anzugeben, dann reist ihr billiger.


5. Was mache ich, wenn es Probleme mit meinem "Host" gibt?

Auch das kommt leider vor, woran auch immer es liegt.

Sucht ein offenes und höfliches Gespräch mit eurem Host. Schildert warum ihr euch unwohl fühlt oder was euch stört. Kanadier sind hauptsächlich wirklich sehr freundliche Menschen, vielleicht war alles nur ein Missverständnis.

Solltet ihr zu keiner für euch tragbaren Einigung kommen, dann äußert, dass ihr die Farm verlassen möchtet. Seid respektvoll und gebt dem Host wenn möglich etwas Zeit, sollte er aktuell nicht genügend Helfer haben. Schließlich habt ihr ihm versprochen für eine bestimmte Zeit zur Verfügung zu stehen. Versucht immer einen guten Eindruck zu hinterlassen wenn ihr geht, egal was passiert ist. Wer weiß wann ihr hier vielleicht mal wieder zurück kommen müsst.

Wenn wirklich etwas gravierendes Vorgefallen ist, habt ihr natürlich auch das Recht, die Farm oder die Ranch zu jeder Zeit zu verlassen. Meldet eure negative Erfahrung unbedingt bei wwoof.ca (oder helpx.net - je nach dem wo ihr angemeldet seid) aber bleibt ehrlich. Keine Dramatisierungen! Vor allem wenn ihr die Farm vielleicht wegen einem anderen Woofer verlasst, kann der Farmer nichts dafür und da solltet ihr ihn aus dem Spiel lassen. Bei allem anderen - schützt euch und andere Wwoofer: Safety comes first!


Kelowna - Lake Okanagan


Wenn ihr noch keinen neuen Platz auf einer anderen Farm oder Ranch gefunden habt, sucht euch ein Hostel in der Nähe, damit ihr so schnell wie möglich wegkommt. Übrigens: Manchmal bieten auch Hostels Kost und Logi gegen freiwillige Mithilfe im Betrieb. Unter anderem das HI Hostel in Kelowna (Stand 2010).


6. Was brauche ich sonst noch? Was gibt es noch zu beachten?

Woran Ihr auf jeden Fall denken solltet ist eine gute Auslandskrankenversicherung. Viele gelten für einen maximalen Aufenthalt von 45 Tagen. Informiert euch gut, so dass ihr für die gesamte Dauer eurer Reise versichert seid. Wenn man mal zum Arzt oder ins Krankenhaus muss, kann das sehr teuer werden. Bei größeren Sachen könnte man sich tatsächlich für den Rest seines Lebens verschulden.

Mein treuer Begleiter seit 2010 für nur 10 $


Besorgt euch Adapter für Elektrogeräte (Laptop, Handy- und Kameraladegerät etc). Außerdem besorgt ihr euch entweder einen "Reiseföhn" bei dem man die Voltzahl verstellen kann oder kauft euch gleich einen normalen in Kanada für 10 $ Dollar. Wenn ihr nämlich einen normalen Föhn mit Adapter in Kanada anschließt, kommt da nicht viel raus.


7. Was packe ich in meinen Koffer?

Koffer packen ist gar nicht so leicht, wenn man nur einen mitnehmen darf aber so lange wegbleibt. Auf einer Farm oder Ranch wird man oft dreckig werden, also nehmt am besten nicht eure besten Klamotten mit (keine Panik, selbstverständlich dürft ihr auf der Ranch auch die Waschmaschine benutzen). Ein paar gute Sachen für Ausflüge, euren Aufenthalt in der Stadt oder wenn man vielleicht mal essen geht sind aber auch nicht schlecht.

Ich mache es immer so: Ich nehme lauter alte Sachen mit, die ich schließlich vor Ort lasse. Ich stopfe meinen Koffer auf dem Rückweg nämlich gerne mit neuen Sachen voll. Süßigkeiten und andere Dinge die es in Deutschland nicht gibt oder schlichtweg neue schöne Kleidungsstücke.

Es gibt auch sehr viele Second Hand Läden in Kanada, wo ihr eure alten Sachen abgeben könnt oder auch alternative günstige Kleidung für die Farmarbeit ergattern könnt. Oft werden auch auf Farmen Kleidungsstücke liegen gelassen, die der nächste dann benutzen kann.


Die Jacke war definitiv geliehen    Foto: Anna-Lisa


Wenn ihr zu verschiedenen Jahreszeiten da seid, empfehle ich den Zwiebel-Look. Shirts und Tops für drunter, Sweat-Jacken und Pullis für drüber. Im Sommer kann man dann ja auch immer noch auf die Tops und Shirts zurückgreifen. Gerade hier würde ich vielleicht alte Pullover mitnehmen, damit man während der Reise das Gepäck "erleichtern" kann. Oder eben praktische Sweat-Jacken, die man auch im Sommer mal gebrauchen kann, wenn es frischer wird. Ich denke aber, dass da jeder seine eigene Art und Weise hat.

Wichtig zu wissen ist nur: Im Winter kann es je nach Region sehr kalt werden, oder aber auch mild sein. Das gleiche gilt für den Sommer. Es kann sehr heiß werden. Wirklich sehr, sehr heiß! Aber weiter nördlich oder an der Küste ist es wieder mild und feuchter. Macht euch Gedanken wo und wann ihr überall hin wollt, aber stresst euch nicht zu sehr. Kleidung in Kanada ist günstig, kauft lieber vor Ort.


Badesachen nicht vergessen! Das einzige was ich recht teuer fand, waren Bikinis.


Denkt ansonsten vorab daran, was ihr unbedingt braucht, aber vielleicht nicht so einfach in Kanada bekommt. Vielleicht nehmt ihr bestimmte Medikamente? Solltet ihr das ganze dann in großen Mengen mitnehmen, lasst euch eine Bescheinigung eures Arztes mitgeben und lasst euch dort beraten.

Was es in Kanada zwar gibt, ich aber gerne von Deutschland mit nehme sind Deos (in Kanada gibt es meist nur Roller, ich sprühe lieber), Damenhygieneartikel (ganz ehrlich Mädels, warum sind die Tampons da so lang?? Ich habe noch nie einen ausgepackt... ich bin da etwas eigen und habe gerne meine OBs aus Deutschland dabei), Sonnencreme (die ist da schweineteuer), Adapter (sind in Deutschland einfacher zu finden und günstiger) und meinen Reithelm (da weiß ich, dass er passt und ich habe immer einen bei mir - viele Farmen haben zwar welche, aber nicht alle).

Nehmt euch für den Anfang Reitschuhe mit, am besten günstige die ihr da lassen könnt, wenn ihr schließlich vor Ort ein paar wunderschöne Cowboystiefel gefunden habt ;)

Tipp: Lasst die Handtücher zu Hause! Auf den Farmen bekommt ihr welche umsonst, in den Hostels könnt ihr meist welche gegen 1 $ leihen.


Ich hoffe, dass euer Abenteuer jetzt beginnen kann!





Wollt ihr noch mehr wissen?


Schreibt mir eure Vorschläge für weitere Themen unten in die Kommentarbox oder bombardiert mich mit Fragen. Gerne auch auf Facebook als private Nachricht oder Kommentar.

Bis zum nächsten Mal,

Nina


Kommentare:

  1. Hallo Nina, gerade habe ich Deinen Blog entdeckt - über Nadja von Pferde Verstehen :-) So eine Freiwilligenarbeit steht auf meiner Liste auch ganz oben. Wir waren wwoofen in Neuseeland - nur eine Woche. Aber das hat schon so viel Spaß gemacht. Irgendwie kommt man viel mehr an im Land, wenn man mitwohnt und mitarbeitet und die Zeit fühlt sich sinnvoller an PLUS: Pferdezeit ist sowieso die beste Zeit. Danke also für die Spitzentipps, Petra von Pferdeflüsterei.de

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    1. Hallo Petra, schön dass du hierher gefunden hast! Ich habe deine Seite auch erst kürzlich durch Nadja entdeckt. Wenn ich nicht schon wieder zeitlich verhindert bin, sollte am Donnerstag mein Blogpost zu deinem Thema "Freundschaft schließen mit dem Pferd" erscheinen. Danke für den interessanten Schreib-Vorschlag, Momentan bin ich fernab des Bloggens und der Pferde so busy dass ich sonst vermutlich keine Zeit gehabt hätte mir ein gutes Thema zu überlegen :D

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