Donnerstag, 7. Mai 2015

Innerer oder äußerer Zügel?

Original Foto: Spiegelwelt Fotografie

Inner or outer rein?


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Liebe Leser,
 

ein besserer Titel fällt mir leider nicht ein. Es geht um einen kleinen Fehler, den ich nur all zu häufig bei Reitanfängern und sogar Fortgeschrittenen sehe. Ja, manchmal mache ich ihn selber sogar noch, bemerke ihn aber mittlerweile recht schnell. Es geht um das "am äußeren Zügel ziehen, um das Pferd in die Ecke oder nach außen zu bekommen / zu behalten". Was ich damit meine, warum es falsch ist und wie man es richtig macht, erfahrt ihr im heutigen Post.
 


Ein leidiges Thema, was man meist schon in den ersten Reitstunden ohne Longe kennen lernt: "Tiiiief in die Ecke hinein reiten", mag vielleicht der Reitlehrer sagen, wenn das Pferd die Ecke abkürzt oder sogar zwischendrin einfach in die Bahnmitte drängt. Auch Fortgeschrittene Reiter können ein Lied davon singen.

Früh bekommt man beigebracht, das Pferd mit dem äußeren Zügel "tiiiiief" in die Ecke zu lenken. Auch wenn das Pferd z.B. nach links ins Bahninnere laufen will, soll man am rechten (äußeren) Zügel ziehen. Klingt im ersten Moment logisch. Denn das Pferd geht ja immer in die Richtung, in die man es mit dem Zügel lenkt, oder?





Foto: Juliane D.


Falsch. Natürlich hat es seinen Sinn und Zweck, so etwas einem Frischling zu sagen, besonders, wenn es sich um ein Kind handelt. Man soll schließlich anfangs auch erstmal lernen, dass das Pferd dort hin geht, wo man es hinlenkt, immer der Nase nach, dort wo man es mit dem Zügel "hinzieht". Ziehen ist schonmal ein unschöner Ausdruck, wir wollen auch nicht ziehen. Es vereinfacht aber das Erklären. Im ersten Moment. Also:


Warum kann das so nicht funktionieren?


Hierfür muss ich nun ein wenig ausholen. Deswegen bekommt man als Anfänger vermutlich auch erstmal nur die einfach Version in der Stunde gepredigt.


Innenstellung


Was ist Stellung? Was wir eigentlich wollen, ist dass der Kopf des Pferdes leicht nach innen gestellt ist. Dabei sollte man nur "den äußersten Teil des Auges schimmern sehen". Man sollte das Pferd nicht zu stark in eine Richtung stellen.

Stellung bezieht sich nur auf den Kopf und somit auf den Hals, Biegung bezieht sich auf den ganzen Pferdekörper.

Zu wissen, dass das Pferd mit dem Kopf eher nach innen als nach außen gestellt werden soll, hilft einem vielleicht schon einen Widerspruch zu erkennen. Wenn man schließlich am äußeren Zügel zieht, kann das Pferd schlecht nach innen gestellt werden.



Falsch: Das Pferd läuft in Außenstellung. Der innere Zügel müsste angenommen werden und mit dem inneren Schenkel getrieben werden. Der äußere Zügel gibt soweit nach, dass die Innenstellung gelingen kann. Foto: Stephy E.
Schon besser: Das Pferd hat selbst eine leichte Tendenz mit dem Kopf nach innen. Man könnte nun noch die Zügel weiter aufnehmen, den inneren Zügel verkürzen und das Pferd mit Klopfen des inneren Schenkels "durch die Ecke biegen". Foto: Stephy E.


Es gibt drei sehr einfache Gründe, warum es oft nicht wirklich hilft am äußeren Zügel zu ziehen, um das Pferd daran zu hindern in die Bahnmitte zu laufen oder die Ecken abzukürzen.


1. Grund


Wenn man das Pferd nach außen lenkt - und dabei erschafft man meist nicht nur eine leichte Außenstellung, sondern eine sehr starke - muss das Pferd logischerweise ganz automatisch ein paar Schritte in das Bahninnere machen, um seinen Kopf und Hals zwischen Bande und Pferdekörper zu bekommen. Es sei denn, es hat vielleicht die Möglichkeit den Kopf darüber zu heben.


2. Grund


Das Pferd geht viel lieber entgegen gesetzt zur hohl gebogenen Seite. 



3. Grund


Dieser hängt eng mit Grund 2 zusammen: Stellung und Biegung sind immer anstrengender für das Pferd, als gerade zu laufen. Da ein Pferd immer darauf aus ist, so wenig Energie wie möglich zu verwenden, wird das Pferd die Hinterhand so ausrichten wollen, dass es wieder gerade ist (wenn man nicht mit entsprechenden Hilfen dagegen wirkt).








Wenn das Pferd also mit etwas Abstand an der Bande entlang läuft und wir benutzen den äußeren Zügel, um es näher zur Bande zu bringen, bringen wir lediglich den Kopf dorthin. Der Rest des Pferde allerdings nicht. Behalten wir allerdings die Innestellung bei, haben wir das Pferd komplett an der Bande. 


Klingt vielleicht kompliziert aber einmal praktisch getestet und ihr werdet durch den Erfolg verstehen, warum es so funktioniert.


Wie macht man es also richtig??


Wir reiten das Pferd in korrekter Stellung, also leicht nach innen gestellt, so dass man lediglich das Auge schimmern sieht. Macht man das richtig, ist die Chance, dass das Pferd nach innen ausbricht ohnehin gleich geringer. Nimmt man den inneren Zügel zu stark an, wird das Pferd natürlich denken, es soll abwenden. Das wollen wir nicht.

Wir lassen unsere Hände schön da wo sie sind, der äußere Zügel gibt maximal ein wenig nach, um die Stellung mit dem inneren Zügel zuzulassen. Das ist wirklich nicht viel. Das Einzige was wir mit dem äußeren Zügel noch machen können, ist darauf achten, dass er den Pferdehals nicht berührt, um keine weitere Hilfe nach innen zu geben (Neckreining).

Andersherum kann man zur Unterstützung aber auch gerne den inneren Zügel an den Hals legen, um das Pferd auf dem Hufschlag zu halten. Auf dem Bild unten war das z.B. gar nicht notwendig:



Foto: Larissa M.


Sollte das Pferd jetzt doch in die Mitte der Bahn drängen oder die Ecke abkürzen, benutzen wir unseren inneren Schenkel und klopfen, um das Pferd daran zu hindern.


Wenn es immer noch nicht klappt


Manchmal macht man es genau wie oben beschrieben, aber irgendwie will es doch nicht richtig hinhauen.

Folgende Ursachen (abgesehen vom zu stark verkürzten inneren Zügel, oder der komplett falschen Außenstellung) können vielleicht dazu führen:


1. Ursache + Lösungansatz


Man klopft an der falschen Stelle bzw. an einer Stelle, an der das Pferd nicht versteht, was man von Ihm will.

Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man ein Pferd reitet, das man nicht gut kennt oder auch vollkommen anders ausgebildet ist, als man es selbst gelernt hat.

Das war z.B. der Fall in einer meiner Reitstunden, über die ich hier geschrieben habe.

Dann muss man es an anderen Stellen versuchen, dabei hilft es vielleicht, den Besitzer oder Trainer des Pferdes um Hilfe zu bitten.


2. Ursache + Lösungsansatz


Das Pferd ist stumpf. Es ignoriert quasi die Schenkelhilfe. Hier hilft nur sensibilisieren. Man muss es mit mehr Druck versuchen und (wie sonst eigentlich auch immer!) bei der gewünschten Reaktion sofort nachgeben. Hat man ein Gefühl und das richtige Timing dafür gefunden, geht es schneller. Grundsätzlich ist es wichtig, nicht immer Dauerdruck zu geben. Dann lernt das Pferd diesen Druck zu ignorieren, anstatt zu reagieren. Oft hilft auch ein Reitlehrer, der einem sagen kann, wann Druck weggenommen und wieder gegeben werden soll. Das fördert auch, das eigene Gefühl dafür zu entwickeln.


3. Ursache + Lösungsansatz


Inkonsequenz. Das hat auch ein wenig mit dem zu tun, was in Ursache 2 beschrieben wurde. Natürlich bietet man dem Pferd erst die sanfte Variante an. Wenn das Pferd erst noch lernen muss was diese Hilfe bedeutet, hält man den Druck nur und arbeitet daran. Handelt es sich aber unmissverständlich um ein Pferd, dass die Hilfe nicht falsch versteht und um einen Reiter, der die Hilfe auch entsprechend korrekt gibt, und das Pferd möchte einfach nur seinen Kopf durchsetzen, sollte man den Druck erhöhen. Tut man das nicht, lernt es ganz schnell, dass es nicht dorthin gehen muss, wo der Reiter es gern hätte. Ganz wichtig: Immer wieder die sanfte Hilfe anbieten, damit das Pferd sensibel bleibt (oder wieder wird).




Ich hoffe ich versteht was ich meine und versucht in Zukunft, euer Pferd auf diese Art und Weise auf dem Hufschlag zu halten und in die Ecke herein zu reiten.

Sollte ich mich unklar ausgedrückt oder etwas vergessen haben oder jemand noch eine bessere Erklärung haben, freue ich mich natürlich wie immer über Feedback!



Wie habt ihr es am Anfang gelernt? 

Hinterlasst einen Kommentar unter dem Post oder schreibt auf Facebook!

Bis zum nächsten Mal,

Nina








Original Photo: Spiegelwelt Fotografie

Inner or outer rein?




Dear readers,


I couldn't guess a better title. It's about a little mistake I see beginner and intermediate riders make all the time. Yes, even I still make this mistake occasionally, but I usually notice it right away and are able to correct it myself. It's the typical "pulling on the outer rein to get the horse into the corner". What I mean and why it is wrong and how it's done correctly you can read in today's blog post.

It's a wretched topic, that most riders are confronted with already in their first riding lessons off the lounge line: "Ride your horse deeeep into the corner", some riding instructors might say, when the horse takes a shortcut or maybe even wants to take a run for the middle of the arena. Also intermediate riders probably know very well what I'm talking about.


Very early you are tought to pull the horse "deeep" into the corner with your outer rein. Also when the horse wants to walk to for example to the left, to the middle of the arena, you are supposed to pull on the right (outer) rein. Sounds logical, doesn't it? Because the horse always walks in the direction it's beeing pulled with the rein, right?





Foto: Juliane D.


Wrong. Of course there is a reason you tell newbies (especially kids) to do this. First you should simply learn that the horse will go where you steer it, always following their nose, where you "pull" on the rein. "Pulling" is not a nice word, we don't want to pull in the horse's mouth. It's just a word that makes explaining easier. Well, for a moment. So:


Why can it not work this way?


I have to reach back a little bit. Maybe that's why you don't tell beginners the full version from the start.


Flexion (to the inside)

What is flexion? What we actually want, is that the horse's head is bent a little bit to the inside. The flexion is correct when "you are just able to see the outside of the horse's eye shine". We don't want too much flexion in one direction.

Flexion only covers the horse's head, and so the neck as well, bending is applied on the whole body.
 

To know that the horse's head is supposed to be more on the inside than on the outside, might help to recognize a contradiction. Because when you pull on the outer rein, it's impossible to have a flexion to the inside.



Wrong: The horse has a strong flexion to the outside. The inner rein needs to be shortened, the inner leg should drive. The outer rein releases just as much for the flexion (to the inside) to work. Photo: Stephy E.
Better: The horse's flexion is naturally and slightly directed to the inside. The reins could be adjusted a little more, the inner rein shortened. Then you could bend the horse through the corner with soft kicking of the inner leg. Photo: Stephy E.


There are three very simple reasons, why it often won't help to pull on the outer rein, to stop your horse from walking to the middle of the arena or taking shortcuts.




Reason 1

When you steer you horse to the outside - and then you'll probably won't just create a little flexion but an extreme flexion to the outside - the horse automatically needs to take a few steps to the inside, to fit their head and neck between the fence and its own body. Except when the fence is so low it could put its head over it.

 

Reason 2

The horse prefers to move to the opposite direction of the hollow bent side.



Reason 3

This one has to do with reason 2: Flexion and bending are always more exhausting for the horse than just walking straight. Because a horse usually wants to waste as less energy as possible, it will want to adjust their hind quarters so the horse's body will be straight again (unless you use aids against that).








So when the horse walks along the rail and we only use the outer rein to get it closer, we only get the head closer to the rail. But not the rest of the horse. If we keep the flexion slightly to the inside we have the whole body at the rail.


Might sound a little complicated but if you do it once you'll understand how it works through your success.


How do you do it correctly??


We ride the horse in correct flexion (slightly to the inside), so that we only see the horse's eye "shine". If you do that correctly, chances that your horse will take shortcuts to the inside of the ring are smaller. If you shorten (or "pull") your inner rein too much, the horse thinks it should go to the inside. We don't want that.


We leave our hands just where they are. The outside rein maybe gives a little so that the flexion to the inside becomes possible. That's not very much. The only thing we might do with our outer rein is taking care it won't touch the horse's neck, so we don't give any more aids for going inside (neckreining).

The other way aroung we can support the horse with the inner rein at the neck. In the picture below this wasn't even neccessary.



Photo: Larissa M.

If the horse now still tends to the middle of the ring or takes short cuts, use your inner leg and softly kick to keep your horse where it's supposed to be.


If it still doesn't work

Sometimes you just do as explained above but it still doesn't work.

Following causes (except the too short inner rein and the completely wrong flexion to the outside) might be the problem:



Cause 1 + Solution

You might kick at the wrong spot or where the horse doesn't understand what you want.

That might be the case, if you ride a horse you don't know very well, yet. Or one that is trained differently.

That was also the case in one of my riding lessons I wrote about here.

Then you have to try out different spots. It might help to ask the owner or trainer of the horse for assistence.


Cause 2 + Solution

The horse is dull. It ignores the leg aids. Sensitizing is the only thing that helps. You have to try it with more pressure and (as always!) immediately release when the horse reacts correctly. If you have the right feeling and timing, it will be faster.
It is always important not to put on steady pressure all the time. That's when your horse learns to ignore the pressure instead of reacting to it. Often a riding instructor can help you telling when to put on and when to take off pressure. That will also help creating your own feeling for it.

Cause 3 + Solution

Inconsistancy. That also has something to do with what I described in cause 2. Of course you first offer your horse the soft aid. When the horse is still learning what this aid means, you just keep the pressure and keep working on it. But if it's unmistakebly a horse that clearly knows the aid and a rider that uses the aid correctly and the horse just want's to claim its own mind, you should increase the pressure. If you don't the horse will lean very quickly that it doesn't have to do what the rider wants right away. Very important: Always start offering the soft aid again, so the horse stays sensitve or becomes sensitive again.


I hope you understand what I mean and that you try to ride you horse this kind of way in the future.

Should I've expressed myself vaguely or I've forgotton something or if someone has a better explanation, I'm looking forward to feedback - as always!


How did you learn it in the beginning?

 

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See you soon,

Nina

Kommentare:

  1. Puh, jetzt schwirrt mir der Kopf :) Aber ich weiß, worum es dir geht. Ich habe dem Pferd zusätzlich noch beigebracht, gern in die Ecken zu gehen (mit Pause dort. Bzw. er darf dort die Brombeerblätter fressen, die in die Halle wachsen :D ). Es reicht also, wenn ich etwas das Gewicht verlagere und den inneren Schenkel anlege, dass er tiefer hinein geht. Kein automatisiertes Abkürzen mehr. VG!

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    1. Hallo Nadja, das ist auch eine tolle Methode - mache ich auch sehr gerne beim Hängertraining!
      Bei meiner Reitbeteiligung bringe ich nur etwas Gewicht in den äußeren Bügel - das reicht meistens auch schon, es sei denn er ist schon sehr abgelenkt ;)
      Mir ging es eher darum zu erzählen, warum es meiner Meinung nach nicht die schlauste Idee ist, am äußeren Zügel zu ziehen. Habe da schon bei vielen einen "Aha-Effekt" erlebt und wollte den Gedanken mal hinaus in die Welt setzen :)

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  2. Hi Nina, danke für diesen Artikel! Wie oft wurde mir in meinem ersten Reitunterricht gesagt, dass ich doch am äußeren Zügel ziehen solle. Das Ergebnis: Meist Pferde, die erst einmal weiter "reingelaufen" sind und erst durch sehr starkes ziehen nach außen zu treiben waren. Aber das war immer wahnsinnig frustrierend. Bis ich gemerkt habe, dass es viel einfacher gehen kann. Der berühmte AHA-Effekt. Auch wenn das für Frauen wie mich, mit einer Rechts-Links-Schwäche, die auch in eine innerer-äußerer-Zügel-Bein-Koordinations-Schwäche ausartet nicht imer einfach ist ;-) Ganz liebe Grüße, Petra

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    1. Hallo Petra, das freut mich sehr! Ich dachte es wäre vielleicht schon zu Kompliziert um zu verstehen was ich eigentlich meine.
      Diesen AHA Effekt hatten wie irgendwann vermutlich alle und wenn nicht dann hoffentlich bald ;)

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