Donnerstag, 4. Juni 2015

Freundschaft schließen mit dem Pferd

Original Foto: Stephy E.

Befriending with horses

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Liebe Leser,

ich wurde von von Nadja von Pferde Verstehen nominiert darüber zu schreiben, wie ich eine Freundschaft oder Beziehung zu einem Pferd aufbaue. Ursprung ist dieser Post von Petra von Pferdeflüsterei, in dem sie von ihrem persönlichen Weg und ihrer Erfahrung aus Neuseeland erzählt. Nadja's Post zu diesem Thema könnt ihr hier lesen.


Ich musste doch erst recht lange nachdenken, bis ich auf einige Punkte kam, über die ich schreiben kann. Es ist immer noch etwas anderes, ob man nur eine Reitbeteiligung hat, die man einmal die Woche sieht, oder ein eigenes Pferd (oder trotzdem eine Reitbeteiligung), zu der man täglich oder mehrmals die Woche fährt. Ich muss also zugeben, dass mein Weg auf Calando nicht so Anwendung finden kann wie auf Glory, andere Pferde von El Ranchito oder mein eigenes Pony von früher.


Immer eine gute Erfahrung


In erster Linie finde ich es wichtig, dass das Pferd immer eine gute Erfahrung in der Begegnung mit seinem Menschen macht. Wir wollen es mit Respekt behandeln denn wir erwarten schließlich auch Respekt von unserem Pferd.
Wenn mal etwas nicht so gut klappt, ob beim Reiten oder vielleicht auch nur am Putzplatz, versuche ich trotzdem immer eine gute Erinnerung zum Abschluss zu schaffen.


"Quality Time"


Was wir in Kanada viel gemacht haben, am meisten mit den Jungpferden, nannten wir "Quality Time" mit den Pferden verbringen. Es wurde nicht immer nur gearbeitet. Wir haben sie auch manchmal einfach nur von der Weide geholt um sie zu kraulen, zu betüddeln und zu putzen.

Foto: Laura R.


Glory z.B. habe ich immer mal wieder einfach so auf der Weide besucht, ohne sie überhaupt mitzunehmen. Wenn ich wieder gehe, kommt sie meist freiwillig mit zum Tor und schaut mir dann so lange nach, bis ich außer Sichtweite bin. Ich denke dass ist ein gutes Zeichen dafür, dass das Pferd gerne Zeit mit einem verbringt und sich wohlfühlt.
Auch Nadja hat hierzu etwas geschrieben.


Viel Lob und vor allem das richtige Lob


Ich lege sehr viel Wert auf das richtige Lob zur richtigen Zeit. Es dauert lange, bis man ein Gefühl für das richtige Timing entwickelt hat und ist etwas, das sich lohnt zu üben und zu erarbeiten.
Wenn ich an einer schwierigen Sache arbeite und es plötzlich nach 15 Minuten funktioniert, dann beende ich sogar manchmal das Training ganz, obwohl ich ursprünglich vielleicht vor hatte eine Stunde zu trainieren.
Auch lobe ich grundsätzlich nicht mit Leckerlies. Mein Loben besteht aus Entfernen des Drucks, Pausen oder zusätzlich durch Kraulen der Lieblingsstelle.
Auch hierzu haben schon einige etwas geschrieben, wie z.B. Nadja hier.


Konsequenz und Berechenbarkeit


Man kann natürlich nicht immer nur Loben, manchmal muss man das Pferd auch korrigieren. Aber die Art und Weise ist auch hier das Entscheidende.
Wenn mein Pferd also einfach irgendwo hinläuft, obwohl ich sage "bleib stehen", dann richte ich es ruhig wieder an den Ursprungsort zurück. Anschreien, negative Einstellung, Vorwürfe oder gar Gewalt sind da völlig unangebracht und vor allem unverständlich für das Pferd.
Wichtig ist, dass man in seinen Entscheidungen konstant und konsequent ist. Wenn ich das eine mal korrigiere, es aber beim nächsten mal wieder durchgehen lasse, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn das Pferd es immer wieder versucht.
Sollte ein Pferd mir gegenüber Verhalten wie Beißen oder Treten zeigen, dann gibt es aber auch direkt einen Klapps. Meist reicht das eine mal schon aus um zu signalisieren, dass man das mit mir nicht zu machen hat. Wie in der Herde untereinander auch.




Das Pferd wie ein Pferd behandeln


Wobei wir zum letzten und wichtigsten Punkt kommen: Ich behandel das Pferd immer als solches. Ich vermenschliche es nicht und versuche mich in sein Verhalten als Flucht- und Herdentier hinein zu denken. Ich verhalte mich als der vertrauensvolle Herdenführer: so sanft wie möglich aber so durchgreifend wie nötig. Hier den richtigen Grad zu finden ist meiner Meinung nach ein Prozess, an dem man nie aufhört zu arbeiten. Ich möchte in erster Linie ranghöher sein, aber nicht der böse Diktator. Wenn man sich hier an den Pferden orientiert, kann man einiges von den Vierbeinern lernen: Führungsposition durch Vertrauen schaffen. Der Leithengst oder die Leitstute passen auch auf die Herdenmitglieder auf, führen sie zu Wasserstellen und sind immer Aufmerksam. Sie sind nicht nur da um die Herdenmitglieder zurecht zu weisen oder vom eigenen Futterplatz zu vertreiben.




Die richtige Chemie


Eine Sache möchte ich aber noch erwähnen. Ich glaube die richtige Chemie zwischen Mensch und Pferd ist nicht ganz unwichtig. Es gibt einfach Pferde mit denen kann ich besser, mit manchen schlechter. Das äußert sich darin, wie schnell ich emotional werde, von meiner "Professionalität" als Herdenführer abweiche oder einfach wie groß oder klein meine Motivation ist.

Foto: Linda D.


Herrje, das war jetzt schon wieder viel mehr als ich ursprünglich geplant hatte. Ich hätte vermutlich auf alles noch 10 mal so tief eingehen können um genau zu erklären, wie ich das meine. Ich fühle mich, als hätte ich bei allem nur die Oberfläche angekratzt und müsste alles noch besser erläutern, damit keine Missverständnisse entstehen.

Ich nominiere Wiola von Aspire Equestrian und Freelance Riding Instructors Diary - ich würde mich sehr freuen von deiner Art und Weise zu lesen.

Auch alle anderen Leser, die einen Blog, eine Homepage oder Facebookseite haben, dürfen sich angesprochen fühlen und von ihrem persönlichen Weg berichten.
Postet auch gerne hier in einem Kommentar euren Link, damit wir alle daran teilhaben können!

Bis zum nächsten Mal,

Nina





Original Photo: Stephy E.

Befriending with horses



Dear readers,


I've been nominated by Nadja from being with horses to write about how I befirend or make a connection with a horse. Origin is this German Post by Petra from Pferdeflüsterei, where she wrote about her personal way of doing that and about her experience from New Zealand. You can read Nadja's Post on this topic here.

I really needed time to think before I some topics came into my mind I could write about.
It makes a difference if you only see someone elses horse once a week or if you have an own horse you see almost every day. So I have to admit that my personal way is not completely working with Calando like it was with Glory, other horses at El Ranchito or the pony I owned when I was 15.


Always a good experience

I think it's important that horses always have a good experience when they are spending time with us humans. We want to trade it with respect, as we want them to respect us, too. When something doesn't work out right away, while riding or maybe just while grooming, I still try to create a good atmosphere and experience before I call it a day.


"Quality Time"

What we did in Canada, mostly with the young horses, ways spending quality time with them. We did not always work with them. Sometimes we just got them in from the field to brush them, to cuddle them or just give them a good scratch.


Photo: Laura R.


For example I visited Glory everey once in a while in the field, without even taking her with me. When I wanted to go she usually followed me to the gate without being asked, looking after me until I was out of sight. I think that's always a good sign, that the horse actually likes spending time with you and feels comfortable.
Nadja also wrote something about this point here.



A lot of rewarding and the correct reward

I can't stress enough about the correct reward at the right time. It takes long until you've got the feeling for the right timing and learning it is something worth spending time.
When I work on a complicated task and suddenly the horse gets it right after 15 minutes I call it a day even though I may had planned to train for an hour. I reward the horse with being put back in the field.
I principally never reward with treats. My reward is releasing pressure, giving breaks or additionally scratching the horse's favourite spot.

Some others wrote about this, too.


Consistency and predictability

Of course you can't always reward, sometimes you also have to correct a horse. But how you do it is what makes the difference.
When my horse starts walking away although it was supposed to stand still, than I move it backwards - back to spot where it was standing before. Yelling, negative attitude, accusations or even violent behavior are totally inappropriate and more than anything: NOT understandable to the horse.Important is, that your decisions are consistent and consequent. When I correct one time but ignore it the next time, I don't have to be surprised when my horse tries it all over again.
If a horse shows behavior to me like biting or kicking, I don't hesitate to give a light slap. Usually that's enough to signal that this horse can't do this with me. Like in the herd itself.






Treat a horse like a horse

The last and most important point: Treat a horse like a horse. I don't humanize horses and try to think like a flight animal instead. I act like the reliable leader of the herd - as gentle as possible but as radical as necessary. To find the right level is in my opinion a process you never stop working on. I definitely want to be higher ranked than the horse but I don't want to be the mad dictator. You can learn a lot from the horses studying herd behavior: Getting into the leading position through trust. The leading stallion or mare watch over the herd, take them to water and are always aware of their surroundings. They are not just there to chase them away from their feed.





The right chemistry

There is one more thing I don't want to leave unsaid. I believe the right chemistry between human and horse plays quite a part. There are some horses I'm good with and some with I'm not. That shows in how quick I get emotional, let go of my "professionalism" as a leader or simply how big or small my motivation is.


Photo: Linda D.


Boy, that was a lot more than I've planned to write. And still I feel like I want to go deeper into this topic like 10 times to explain better what I mean. I feel like I only scratched the surface and need to explain more, to not create any missunderstandings.


I nominate Wiola from Aspire Equestrian and Freelance Riding Instructor's Diary - I'd love to read about your way!

All my dear readers, that have a blog, homepage or facebook page are very welcome to write about their personal way, too! You can Post your link in the comment box below so we can all read and share!

See you soon,

Nina




Kommentare:

  1. Hallo Nina, wie schön, dass Du mitgemacht hast :-) Ich finde, dass da alles drin steckt, was ein Pferdemensch wissen muss. Vom Lob über die Konsequenz bis zur Quality Time. Die auch für mich immer Quality Time ist. Ich muss sagen, dass ich das Putzen genauso liebe, wie das kraulen, Spazieren gehen oder eben Reiten. Pferde sind schon was Tolles :-) Liebe Grüße von der Pferdeflüsterei, Petra

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    1. Danke Petra, freut mich dass es dir gefällt und auch alles anscheinend so rüber gekommen ist, wie es sollte :)
      Liebe Grüße, Nina

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