Donnerstag, 11. Juni 2015

Jungpferde ausbilden: Wann und wie?

Starting young horses: When and how?


~ Please scroll down for English ~


Liebe Leser,

durch meine Zeit bei El Ranchito habe ich einige Erfahrung in der Ausbildung von Jungpferden gemacht. Vom Fohlen, das einfach noch Fohlen sein durften, über 2-, 3-, und sogar 4-Jährige, die vom Boden aus gearbeitet und an die Dinge im Alltag gewöhnt wurden, bis zum schonenden Anreiten von 4- bis 6-Jährigen, war alles dabei. Auch die Grundausbildung von da an und das "Herauskitzeln" des Running Walks bei älteren Pferden gehörte dazu.



Den perfekten Weg gibt es sicher nicht, aber ich möchte euch heute meinen persönlichen Weg zeigen. Der weicht natürlich von Pferd zu Pferd ab, man muss sich schließlich individuell an das Lebewesen anpassen.

Ich möchte heute mit einem Überblick anfangen, wie ich vorgehe und in etwa welchem Alter ich die entsprechende Schritte einführe. In den nächsten Wochen werde ich dann intensiver auf einzelne Themen eingehen, damit ich nicht schon wieder so wahnsinnig lange Posts entstehen. Ich kenne mich ja ;) Ich bin gerne überausführlich...


Der Stute "Fancy" auf dem Bild sieht man deutlich an, dass sie noch nicht ausgewachsen ist.
Die Proportionen stimmen überhaupt nicht. Auf dem Bild ist sie 1 Jahr alt.


Die Altersstufen, die ich gewählt habe, beziehen sich in erster Linie auf Tennessee Walker, da ich mit diesen gearbeitet habe. Man sagt sie sind relativ spät reif. Generell ist ein Pferd jedoch nie vor seinem fünften Lebensjahr voll ausgewachsen, weshalb ich Pferde ungern schon mit drei Jahren anreite. Ich denke vier Jahre sind in Ordnung, wenn man merkt, dass das Pferd auch im Kopf reif dafür ist. Meine Glory wurde zum Beispiel mit 5 Jahren eingeritten.

1. Das erste Lebensjahr: Das Fohlen darf noch "Kind" sein

Ich finde es ganz wichtig, dass Fohlen in einer Herde aufwachsen dürfen. Ich bin definitiv gegen "Kinderarbeit".
Viele sehen es als Sinnvoll, ein Fohlen gleich ans Halftern und Hufe geben zu gewöhnen, damit in Notfällen ein Tierarzt auch an das Fohlen heran kommt.
Was ich mache ist mich in der Nähe des Tieres aufhalten, mich zeigen, es neugierig auf mich machen. Es soll sehen, dass der Mensch einem nichts böses will. Ganz langsam und mit der Zeit soll es zulassen, dass ich es berühre. Ob und wann ich schon mit dem Halfter komme, hängt ganz davon ab, wie zutraulich es ist. Gleiches gilt für das Hufe geben.



2. Das zweite Lebensjahr: Gewöhnen an den Alltag

Spätestens jetzt finde ich es wichtig, das Pferd an das Halfter und Hufe geben zu gewöhnen.
Hinzu kommen Führübungen und das Anbinden und Stillstehen.
Die Pferde werden regelmäßig von der Weide geholt für "Quality Time" (mehr dazu schon hier). Wir putzen, kraulen und versuchen eine gute Erfahrung für die Tiere zu hinterlassen.
Um die Pferde an das Halfter und auch alle möglichen anderen Gegenstände zu gewöhnen, machen wir das was man "Aussacken" nennt. Wie das vor allem RICHTIG funktioniert, habe ich hier und hier erklärt. Dabei wird nämlich unbewusst viel falsch gemacht.

Quality Time mit Glayva als sie 2 Jahre alt war


3. Das dritte Lebensjahr: Bodenarbeit

Alles was im zweiten Lebensjahr gemacht wurde, wird natürlich auch weiterhin durchgeführt. Gerade beim Aussacken kommt immer wieder neues dazu. Es werden viele Führübungen gemacht, auch mit einem kleinen Parcours auf dem Platz, ein bisschen rückwärts gehen, Vor- und Hinterhandwendungen sind da auch dabei. Gerne mache ich auch Freiarbeit und ein korrekt durchgeführtes Join-Up. Wenn das Pferd so weit ist, arbeite ich auch gerne mal an der Longe.
Es soll auch schon ein paar Stimmkommandos für die verschiedenen Gangarten lernen.

Foto: Simone A.


4. Das vierte Lebensjahr: Vorbereitungen zum Einreiten

Jetzt wird es langsam ernst: Beim Aussacken kommen erst kleine, dann große Sättel hinzu, Riemen, Longiergurte... alles um das Pferd auf den ersten Ritt vorzubereiten. Spätestens hier arbeite ich auch an der Longe (wobei es eher ein 12-Foot-Rope ist, das ich benutze).

Foto: Juliane D.


5. Das fünfte Lebensjahr: Einreiten und Grundausbildung

Wenn die Vorbereitungen zum Einreiten alle erfolgreich waren und das Pferd so weit ist, dann macht es die ersten Erfahrungen mit dem Reiter auf dem Rücken. Erst nur ganz kurz und nach und nach immer mehr. Diesem Prozess werde ich ebenfalls einen Post widmen.

Glayva spürt zum ersten Mal einen Reiter auf ihrem Rücken. Hier ist sie schon 5 Jahre alt. Foto: Ullu V.


Am Anfang arbeite ich viel im Schritt, bis das Pferd mich oben drauf nicht mehr als komisch empfindet. Dann kommt erst die nächste Gangart, eine wieder völlig neue Erfahrung für das Pferd.
Ich arbeite zu erst daran, dass es meine Hilfen versteht. Ich reite gebisslos, arbeite mit dem was es schon vom Boden aus kennt und fange erst an, das Pferd in der Dehnungshaltung am feinen Zügel zu reiten, bevor es mit mehr Kontakt gymnastiziert wird.

Foto: Jen B.


Ich bin kein "echter" Pferdetrainer, aber bisher hat noch kein Pferd gebuckelt, das ich eingeritten habe. Ich denke das ist ein Lob von den Pferden :) Mir ist wichtig, dass man die Pferde nicht überfordert. Wenn man geduldig ist und das Lerntempo des Pferdes berücksichtigt, wird man sicher mit Erfolg belohnt.

Auf welches Thema seid ihr am meisten gespannt? Worüber möchtet ihr sonst noch mehr erfahren?

Meldet euch per Kommentar oder mit einer privaten Nachricht über Facebook oder unter ropingmydream@gmx.de !

Bis zum nächsten Mal,

Nina





Starting young horses: When and how?



Dear readers,

during my time at El Ranchito, I gained some experience in training young horses. We had foals, that were allowed to be just foals, 2-, 3- and even 4-year olds that were intruduced to the daily life with humans and 4- to 6-year olds getting started under saddle.
I also trained young horses that were already started, teaching the basics and I rode older horses trying to get the running walk out of them.

There is probably no perfect way but today I'd like to introduce you to my personal way of doing it. Of course my way will differ from horse to horse, as you need to adapt to each individual.

Today I want to give you an overview of how I do things and at which age I start with the different levels of education. The next weeks some posts will follow, where I'll go more into detail. I don't want this post end up insanely long, again. I know myself ;)


You easily see that the filly "Fancy" isn't fully grown yet.
The proportions are totally messed up.In this picture she's 1 year old.

The stages of ages (rhyme! :D) I chose refer to Tennessee Walkers, because I worked with them mostly. They are supposed to be growen up pretty late. In general no horse is fully grown yet until it's five years old. That's why I don't like to start horses when they are only three years old. I think four years old is okay, when you notice that the horse is ready. Glory was started at age 5, for example.

1. The first year: The foal is allowed to be a "child"

I think it is very important, that a foal can grow up within a herd. I don't support "child labor". 
Many people think it's reasonable to immediately introduce the foal to a halter and giving feet, so that a vet could get through to the animal in an emergancy.
What I do is I hang around close, introduce my self without making physical contact and rise the foal's curiosity. I want it to learn, that humans are not dangerous.
Slowly and in given time it should accept my touch.
If and when I start introducing the halter and giving feet, depends on how trusting it is.




2. The second year: Introducing everyday life

By no later than that I introduce the halter and giving feet.
I also practise leading, tieing up and standing stoll.
On a regualr basis we spend quality time with the horses (already wrote something about that here). We groom the horses, give them a good scratch and make it a good experience.
To introduce any new items (also the halter) we do the sacking out. How this works correctly I will explain in a separate post. Without knowing it, many people do it wrong.
Wir putzen, kraulen und versuchen eine gute Erfahrung für die Tiere zu hinterlassen.


Quality time with Glayva when she was 2 years old


3. The third year: Groundwork

Of course I continue with everything I did in the second year. There are a lot more things that will be introduced within the sacking out. We practice leading more and more, now even with a litte course with obstacles in the riding ring, with backing up, introducing turns on the hind and the front legs. I like doing liberty work and a correctly done join-up - going to write more about that soon, too.
If the horse is ready I might do some lounging. It should also learn voice commands for the different gaits, going faster and slowing down.

Photo: Simone A.


4. The fourth year: Preparing for starting under saddle

Now it's getting serious: With the sacking out we now intrduce first smaller, than bigger and heavier saddle, before that also girths and any other things that helps to prepare the horse for the first ride.
By no later than that I start working with lounging (well, I have to say I prefer to use a 12-foot-rope).


Photo: Juliane D.


5. The fifth year: Starting under saddle and basic education

When we are successfully done with preparing the horse, the rider will get in the saddle for the first time. Only for a couple minutes or even seconds. Step by step the time will be increased. I plan to write a post on this topic, too.


Glayva feels the weight of a rider for the first time. Here she's already 5 years old.  Photo: Ullu V.

In the beginning I only ride in a walk, until the horse get's rid of the strange feeling, that someone's sitting on their back. Only then I introduce the next gait, a totally new experience for the horse.
First I work on making the horse understand my aids. I ride bitless, work with what the horse already knowes from the ground and start riding on a lose rein before I pick up more contact for developing the right muscles (is there a word in English for "gymnastizieren"? It means to work the horse in a healthy way, so they develope the muscles they need to carry the rider).


Photo: Jen B.


I'm not a "real" horsetrainer, but so far no horse ever bucked when I started them. Guess that's a compliment from the horse :) To me it's very important, that you don't overwhelm the horse. When you are patient and adapt to the horse's learning rate, you'll be successfull.

Which topic are you looking forward to? What would you like to know more about?

Post a comment below or write a private message via Facebook or ropingmydream@gmx.de !

See you soon,

Nina

Kommentare:

  1. Fantastischer Post, der einem schon einmal einen kleinen Überblick bietet!

    Ich bin besonders gespannt über den Post übers Aussacken, da ich mir da wenig drunter vorstellen kann!

    Viele liebe Grüße

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    1. Hallo Alexa, das ist eigentlich nur ein Begriff für "Pferd an neue Gegenstände gewöhnen", wenn man es einfach ausdrücken will. Eine Art Gelassenheitstraining. Viele Leute machen es ohne zu wissen verkehrt. Wie es richtig funktioniert werde ich bald schreiben. Schön, dass du dich darauf freust!

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  2. Hallo Nina, perfekt! Genauso wie du es beschreibst, habe ich es auch bei Alfonso Aguilar und Dyslis gesehen. Meine Trainerin zu Hause macht es nicht anders. Ich finde toll, dass du den Pferden Zeit lässt und sie Kind und Jungpferd sein dürfen. Das ist so wichtig. Wenn sie dann spielerisch an die Anfänge geführt werden und immer wieder lernen dürfen ohne Stress und Druck, dann werden sicher eher zufriedene Verlasspferde aus ihnen als bei einem Training mit zuviel Druck und Geschwindigkeit. Ich bin mit dem Longieren sehr vorsichtig, weil gerade junge Pferde noch wenig Balance haben und das "Kreis treiben" zu lange zu wenig Sinn macht. Aber das ist Ansichtssache und ich weiß auch, dass es viele Longierfans gibt, gerade "Wege zum Pferd" legen da ja tolle Ergebnisse vor. Aber das nur am Rande. Was ich eigentlich sagen wollte: Ein toller Artikel!!! Danke dafür und ich freue mich schon auf die nächsten Teile der Serie, Petra (Pferdeflüsterei.de)

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    1. Hallo Petra, vielen Dank für deinen Beitrag und entschuldige bitte die verspätete Antwort.
      "Zufriedene Verlasspferde" ist genau das, worauf wir doch hinaus wollen :)
      Ich bin jetzt auch nicht der Longier-Fan. Ich bin da auch wahrlich kein Experte. Ich benutze es hauptsächlich um das Pferd an die Bewegung in allen Gangarten unter dem Sattel zu gewöhnen - selbstverständlich mit vielen Handwechseln und kurzen Trainingsintervallen. Generell fallen die Trainingseinheiten mit Jungpferden bei mir sehr kurz aus.
      Ich würde das was ich mache auch mehr mit dem "Circling" vergleichen, den meisten ist Longieren jedoch ein bekannterer Begriff. Für mich ist es Mittel zum Zweck :)
      Danke für den Denkanstoß, vielleicht werde ich dazu auch noch etwas detaillierter schreiben!

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