Donnerstag, 16. Juli 2015

Das Aussacken - Teil 1 Voraussetzungen

Originalfoto: Spiegelwelt Fotografie

The sacking out - Part 1


~ Please scroll down for English ~

Liebe Leser,

wie bereits in meinem Einleitungspost zum Thema Jungpferde erwähnt, ist das Aussacken ein großer Bestandteil der Ausbildung. Er begleitet mich und ein Pferd vom Anfang bis ins hohe Alter! Und zwar nämlich immer dann, wenn dem Pferd etwas neues vorgstellt werden soll, das ihm im ersten Moment nicht geheuer erscheint. Um weitere Posts zu meiner Jungpferdeserie besser zu verstehen, solltet ihr euch diesen Post und 2. Teil zum Aussacken gut durchlesen.

Viele haben bestimmt schon vom Aussacken gehört und wissen mehr oder weniger genau, was sich hinter dem Begriff versteckt. Für die, die es noch nicht wissen:


Das Aussacken ist eine Methode, mit der man das Pferd an neue Gegenstände gewöhnen kann. Das können Ausrüstungsgegenstände wie Halfter, Sattel oder Decken sein, oder aber auch typische "Schreck-Gegenstände" wie Plastiktüten, Planen, bunte Eimer... Die Liste ist lang.


Zum Beispiel: Regenschirme können auch ganz schön gruselig sein.    Foto: Spiegelwelt Fotografie

Häufig wird das Aussacken aber falsch gemacht. Dabei klingt es so einfach. Wir helfen dem Pferd aber nicht damit, in dem wir es einfach mit dem entsprechenden Gegenstand konfrontieren. Wir wollen nicht die "Fress oder Stirb"-Methode anwenden, deswegen machen wir ja das Aussacken. Denn Aussacken bedeutet nicht, dem Pferd wild mit einer Plastiktüte vor dem Gesicht herumzuwedeln oder ihm sogar den angsteinflößenden Gegenstand umzubinden, so dass es wild in Panik verfällt, bis es vor Erschöpfung nicht mehr kann.

Wir wollen das Pferd nicht brechen, wir wollen ihm helfen zu Vertrauen! Und mit den eben genannten Negativbeispielen, erzeugen wir genau das Gegenteil.

Wie wird es also richtig gemacht?

Es gibt mehrere Komponente, die man dabei im Kopf behalten soll:

Voraussetzungen

- Sich bewusst sein, dass das Pferd ein Fluchttier ist
- Das Pferd muss ein gewisses Maß an Vertrauen in den Menschen haben
- Der Mensch sollte ruhig sein, wissen was er tut und Vertrauen in sich selbst und in das Pferd haben

Durchführung

- Das Pferd darf nicht angebunden werden
- Der Rhythmus ist entscheidend
- Wenn man Druck aufbaut ist das Nachgeben im richtigen Moment ganz wichtig und unverzichtbar
- Sich die Neugierde des Pferdes zu Nutzen machen
- Erkennen wann Schluss ist


Bei diesem Outtake ist die Neugierde größer als die Angst vor dem Bogen.
Foto: Spiegelwelt Fotografie

Heute möchte ich mich erst einmal mit den Vorraussetzungen beschäftigen. Im nächsten Post, geht es dann um die Durchführung.

Das Pferd ist ein Fluchttier

Als erstes gilt zu verstehen: Das Pferd ist nicht bösartig, wenn es sich erschreckt oder deswegen gar in Panik verfällt. Es möchte uns auch nicht damit ärgern. Es hat schlicht und ergreifend Todesangst.
Es hat keine Ahnung, dass die flatternde Plastiktüte es gleich nicht angreift, dass der leuchtend gelbe Ball nicht beißt und der Sattel nichts ist was es auffrisst. Wir können unseren Vierbeinern aber zeigen, dass die Gegenstände ungefährlich sind, und das, bevor es zu gefährlichen Situationen kommt.

Vertrauen zwischen Mensch und Pferd

Das Aussacken sollte erst in das Training mit aufgenommen werden, wenn ein gewisses Grundvertrauen schon vorhanden ist. Es kann als Übung zum Ausbauen des schon vorhandenen Vertrauens verstanden werden. Wichtig ist, einen Schritt nach dem anderen zu gehen und genau ins Pferd hineinzuhorchen. Denn ist man zu schnell, dann kann das Vertrauen auch gemindert werden. Der Mensch muss erkennen, was er dem Pferd zumuten kann und wissen ob und wann er den nächsten Schritt gehen kann.


Vertrauen kommt nach und nach.

Je nachdem, was man dem Pferd vorstellt, muss ein unterschiedliches Maß an Vertrauen vorhanden sein. Hier ein Beispiel:

Am Anfang fangen wir ganz klein an. Wir wollen nicht einen Gegenstand, sondern lediglich unsere Hand vorstellen - einem Fohlen oder einem Pferd, das Menschen bisher nicht wirklich gut kennen gelernt hat.
Wenn wir das angehen, ist natürlich weniger Vertrauen vorhanden, als wenn wir dann schon so weit sind, es tatsächlich an allen Körperteilen anfassen zu dürfen. Erst danach fangen wir überhaupt an, es mit Gegenständen zu konfrontieren.

Vertrauen ins sich selbst

Es ist ganz wichtig, dass der Mensch selbst in sich vertraut und ruhig ist. Es bringt nichts, wenn der Mensch aufgregt ist, weil es das Pferd nun mit einem "bösen Objekt" konfrontiert. Er darf nicht nervös sein, weil er sich unsicher ist, ob er mit der Situation umgehen kann. Das ist eine ganz wichtige Vorraussetzung.
Denn nur wenn man selbst dem Pferd zeigen kann, dass es nichts zu fürchten hat, wird das ganze auch gelingen.

Pferde spüren ganz genau, wenn man nervös ist. Das ist keine Floskel sondern Realität! Und wenn du schon ängstlich bist, wieso sollte das Pferd dann mutig sein und keine Angst vor dem "bösen Gegenstand" haben?

Merke: Es gibt keine "bösen Gegenstände". Es ist nur ein __________ (beliebiges Objekt einfügen). Und genau das wollen wir unserem Pferd bebringen. Wenn wir das selbst nicht können, warum dann das Pferd?


Erst wenn man diese Vorraussetzungen erfüllen kann, sollte man sich an das Aussacken wagen.

Wer nun schon ungeduldig ist und mehr wissen will, der kann sich Nadja's Post zum Thema zu Gemüte führen! 

* Teil 2 ist online! *

Wer schon ein wenig vom Aussacken gehört hat und sich gefragt hat, wie das Pferd denn nun auseinanderhalten kann, ob es nun die Peitsche ignorieren und sich entspannen soll, wie beim Aussacken, oder darauf reagieren ("response", nicht "reaction" - lässt sich auf Deutsch leider nicht so gut ausdrücken) soll z.B. wie beim Longieren, der wird hier Erläuchtung finden!

Habt ihr das Aussacken schon einmal ausprobiert?

Meldet euch per Kommentar unter dem Post oder über Facebook!

Bis zum nächsten Mal,

Nina





Originalphoto: Spiegelwelt Fotografie

The sacking out - Part 1 Premises


Dear readers,

as I mentioned in my introduction of the topic "training young horses", the sacking out is a huge part in this process. It goes along with my training from beginning and even when the horse has grown old. Always when something new, that might make the horse feel uncomfortable, is introduced.
To understand my following posts on young horses better, I warmly recommend to read this post and as well the second post on sacking out.

Many of you probably already heard about the sacking out and know (more or less) what it is. For those who don't:


The sacking out is a method to introduce new objects to horses. That could be daily used items like a halter, a saddle or blankets or typical scary things like plastic bags, tarps, colored buckets... The list is long.


For example: Umbrellas can be quite scary.    Photo: Spiegelwelt Fotografie

Often the sacking out is done wrong. Despite it sounds so simple. But we don't help the horse if we just simply confront it with the object. We don't want to shove a plastic bag in its face and be like, now you go cope with that. Because sacking out doesn't mean to wag a wip wildly in front of it or even tie scary objects to it so it starts to panic until it breaks because of exhaustion.

We don't want to break the horse, we want to help it to trust us! And you won't archieve that with the negative examples I gave you above.

So, how is it done correctly?

The are a few elements that you should keep in mind.

Premises

- Be aware that the horse is a flight animal
- The horse need a certain amount of trust in the horse
- The human should be calm and know what he/she does and should have confidence

The process

- The horse must not be tied up!
- The rythm makes it or breaks it
- If you build pressure, release at the right time is indispensable
- Use the natural curiosity of the horse
- Know when it's enough


In this Outtake curiosity is bigger than the fear of the bow.
Photo: Spiegelwelt Fotografie

Today I only want to talk about the premisses. The practical part will follow in the next post.


The horse is a flight animal

First you need to understand: The horse is not beeing mean when it spooks or panics. It doesn't want to provoke or annoy us. It's simply scared to death.
It has no idea that the flapping plastic bag is not going to attack it any second, that the shiny yellow ball doesn't bite and the saddle won't eat it. But we can show our four-legged friends that these objects are not dangerous - before anything goes completely wrong.

Trust between horse and human

The sacking out should only be done, when a certain trust has already developed between horse and human. It can be seen as an exercise to build upon the trust that's already there. It's important to take one step after the other and to listen to the horse. If you go to fast, you might not increase but decrease the trust between you two. You need to be able to tell when you horse is ready and for what.



Trust developes step by step.

Depending on what you want to introduce, you need a different amount of trust. An example:

Start small. We don't want to introduce an object but simply our hand to a horse - maybe to a foal or a horse that didn't have much contact to humans yet.
When we do that, of course we have less trust than we would have after a while when we are allowed to touch every part of the horse's body. Only after that we start introducing objects. 


Selfconfidence

It's so important that the human is selfconfident and relaxed. You won't get far when you are nervous, because now you are aware that you have to introduce a "scary object" to you horse. If you are unsure if you could handle the situation, you will fail. You have to show you horse there is nothing to fear.

Horses can feel pretty well if you are nervous. That's no fairy tale, it's reality" And when you are anxious, why should your horse be brave and not be scared of the "scary object"?

Note: There are no "scary objects". Its simply a  __________ (add random object). And that's what we want to teach our horse. If we can't do it, why should our horse?

Only if you meet these requirements you should perform the sacking out

Those who are impatient now and want to know more can read Nadja's Post on this topic (only available in German for now).

* Part 2 is online! *

Did you already do the sacking out with your horse?

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See you soon,

Nina

1 Kommentar:

  1. Irgendwo habe ich darüber schon gelesen, aber hier habe ich gelernt, vieles mehr. Ich gratuliere dem Autor des Eintrags und Herzlich grüße ich!

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