Donnerstag, 28. Januar 2016

Korrektes Join-Up

Liebe Leser,

was versteht ihr unter Join-Up? Ohne nun Hellseher zu sein oder irgendwelche Meinungsumfragen gestartet zu haben, gehe ich jetzt mal von Folgendem aus: Bestimmt 90% von euch würden das Join-Up so beschreiben, dass das Pferd in einem Roundpen im Kreis um den Menschen herum läuft. Der Mensch bestimmt Gangart, Tempo und Richtung. Zum Schluss soll das Pferd dem Menschen folgen wollen und auf Schritt und Tritt nachlaufen. Ganz nach Monty Roberts oder Pat Parelli, um mal ein paar zu nennen.

Ich persönlich sehe das ein bisschen anders.
Betrachten wir wieder einmal das Wort an sich: Join-Up ist Englisch und besteht aus den Worten "to join" (ein Verb, dt. u.a. "sich anschließen", "beitreiten") und "up" (ein Adverb, dt. u.a. "heran"). Kombiniert kann man es, kann man es in unserem Fall mit "sich anschließen" übersetzen.

Jetzt lest nochmal die oben genannte Beschreibung des Join-Ups und sagt mir wieviel Prozent der Beschreibung mit "sich Anschließen" zu tun haben. Ein Bruchteil, genau der letzte Part der Beschreibung.

Beim Join-Up geht es mir darum, dass das Pferd mir gerne und freiwillig folgt. Wie ich es dazu bringe, kann unterschiedlich sein.

Ein Pferd, dass mir bereits gerne folgt, ein Pferd das Halfterführig ist und mit seiner Aufmerksamkeit bei mir ist, muss ich nicht wegschicken. Ich habe bereits mein Join-Up. Das ist glaube ich ein Punkt, den viele Pferdemenschen nicht verstehen. Das Außen-Herumlaufen habe ich in Kanada gelernt, "Roundpenning" zu nennen.

Ja, es kommt auch mal vor, dass ich das Pferd wegschicke und um mich herum gehen lasse. Aber das mache ich nur, wenn das Pferd absolut keine Anstalten macht mich zu beachten, mir zu folgen und ich das Gefühl habe, dass es notwendig ist. Außerdem biete ich ihm immer wieder (häufig!) an, zu mir zu kommen. Auch scheuche ich das Pferd nicht im Galopp, ich kommuniziere "leise" und bewältige das ganze auch gerne mal im Schritt.

Man muss verstehen, dass man auch mit seiner Körpersprache und dem Blick, Druck auf das Pferd ausübt. So kommunizieren auch Pferde untereinander in der Herde. Der Unterschied ist jedoch: Ein Pferd übt nur Druck auf ein anderes aus, wenn es einen wichtigen Grund hat. Etwa zur Korrektur von respektlosem Verhalten. Wenn unser Pferd uns also schon folgt und wir es dann wegschicken und mit Druck bombadieren, vor allem wenn es dann schon angeboten hat zu uns zu kommen, dann versteht es nicht warum. Außerdem soll es ja gerne zu uns kommen.

Man merkt es kaum, aber das Pferd ist mit der Aufmerksamkeit schon beim Mensch
in der Mitte: Das innere Ohr ist zu ihm gedreht.



Oft sieht man Menschen, die ihre Pferde Runde um Runde im Galopp im Roundpen scheuchen. Dabei wird völlig vergessen auf die Signale des Pferdes zu achten. Meistens hat das Pferd schon zwanzig mal angeboten zu einem zu kommen, wird jedoch immer wieder weggeschickt, bis es dann doch endlich kommen darf.

Roundpenning hat nichts mit Scheuchen zu tun. Das Pferd soll nicht aus Angst davon laufen sondern zu hören und verstehen, in welchem Tempo es sich nun bewegen soll. Ähnlich wie beim Longieren, nur dass dort die Longe als Hilfsmittel hinzu kommt und dabei dem Pferd beibringt, wie es auf Zug der Longe reagieren soll und hilft Stellung und Biegung zu erarbeiten.

Grundsätzlich ist im Gegensatz dazu, das Roundpenning ein Hilfsmittel oder eine Trainingsmethode, die helfen soll, die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter zu vereinfachen. Auch wenn ich ab und an davon Gebrauch mache, ersetzt es meiner Meinung nach auf keinste Weise, unsere Einstellung und unser Verhalten dauerhaft zu ändern.



Nichts Hilft bei der Kommunikation und beim Aufbau einer guten Mensch-Pferd-Beziehung so sehr, wie sich im Alltag als vertrauensvoller Führer zu erweisen. Und damit ist nicht gemeint, das Pferd zu unterwerfen oder seinen Willen zu brechen, sondern es davon zu überzeugen, dass es uns Vertrauen kann und wir uns Kümmern. Das schaffen wir mit beständigen Reaktionen, Aufmerksamkeit, Respekt und Vertrauen, alles Eigenschaften die wir erwarten und auch zurück geben müssen. Nicht durch das Ausüben von Macht und das Erzwingen durch Furcht.

Wichtig ist, dass wir uns beim nächsten Mal fragen, warum wir erwägen "Roundpenning" zu machen und ob es nun wirklich notwendig ist. Vielleicht brauchen wir es ja gar nicht mehr ;)

Macht ihr das Join-Up? Und vor allem wie?

Ich bin gespannt und freue mich auf eure Meinung, gerne auch auf Facebook oder über ropingmydream@gmx.de

Bis zum nächsten Mal,

Nina

Zum Weiterlesen:

Ein sehr schöner Bericht von Claudia über einen Monty Roberts Join-Up Kurs

Kommentare:

  1. Liebe Nina,

    ein wirklich super Artikel. Ich habe auch oft das Gefühl, dass viele Menschen gar nicht so genau den Hintergrund verstehen warum sie ein Join up machen oder Roundpenning. Was wirklich schade ist!

    Wie du schon schreibst, wenn man versteht warum es dabei geht und es gezielt einsetzt kann es wirklich eine tolle Möglichkeit sein.

    Ich habe letztes Jahr einen Join up Kurs besucht. War ein Geschenk, von dem ich so gar nicht begeistert war. Aber ich war dann doch völlig überrascht!

    Liebe Grüße
    Claudia

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    1. Hallo Claudia,

      vielen lieben Dank für deine Meinung! Wie schön, dass du das auch so siehst.
      Möchtest du ein bisschen mit uns teilen, was dich an dem Kurs überrascht hat?

      Ich habe durchweg positive Erfahrungen mit Roundpenning gemacht. Schließlich ist mir aber mit der Zeit und mit mehr Wissen bewusst geworden, wieviel Stress und Druck man auf das Pferd ausübt.
      Ganz besonders bewusst wurde es mir schließlich nachdem ich von Mark Rashid gehört habe. Die Menschen von denen ich es ursprünglich gerlernt habe, sind nämlich leider nicht gerade sparsam damit umgegangen.

      Liebe Grüße
      Nina

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