Donnerstag, 2. Juni 2016

Warum man ein Pferd nicht ziehen soll

Liebe Leser,

ich finde, dass Ziehen und Drücken mit Pferden nichts zu tun haben sollten. Jetzt wird der ein oder andere sich vielleicht wundern. Ziehen und Drücken, okay, man sollte es nicht übertreiben aber wir verwenden doch schon im leichten Maße Zug und Druck. Oder?



Vorweg, ich bin niemand der sagt, jede Art von Druck, schon das "Anschauen" wäre schlecht. Im Gegenteil. Ich gehöre zu den Leuten, die ihr Pferd mit Berührungen animieren und nicht nur darauf wartet, bis es das Gewünschte von selbst tut. Ich meine mit dem heutigen Thema etwas ganz anderes.

Es geht um das "Wie".

Inspiriert zum heutigen Thema hat mich das neue Buch von Mark Rashid: "A journey to softness" (bisher nur auf Englisch erschienen). Er verwendedet hierbei ein wunderbares Beispiel, dass ich aufgreifen möchte, um euch zu erklären, worum es mir heute geht.



Stellt euch vor, ihr führt ein nicht besonders halfterführiges Pferd von A nach B. Es ist vielleicht nicht gerade gewillt euch zu folgen und steht mit all seinen vier Beinen fest auf dem Boden und möchte sich nicht vorwärts bewegen.

Was macht ihr? Ihr zieht.

Was macht das Pferd? Es bleibt weiterhin stehen und lehnt sich vielleicht sogar zurück, gegen euren Zug.

Da das Pferd physisch viel stärker ist als wir, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir den Kampf verlieren.

So soll es sein:

Anders ist es, wenn ihr es richtig macht. Anstatt zu ziehen, müsst ihr standhaft sein, wie ein Anbindebalken:

Wenn das Pferd zurückzieht, sich aber nicht ein ziehender Mensch, sondern ein fester Anbindebalken am anderen Ende befindet, gewinnt zum Schluss der Anbindebalken.

Das liegt daran, dass der Anbindebalken konstant ist. Mark Rashid sagt, er habe es an sich selbst ausprobiert und ich habe es ihm gleichgetan: Bindet einen Strick an einen stabilen Balken. Nehmt nun das Ende des Stricks in die Hand und lasst euch nach hinten fallen.

Der Strick spannt sich sofort an. Das könnt ihr nicht nur sehen, sondern auch fühlen. Nun schließt eure Augen. Lehnt euch einen Hauch nach vorne. Schon bei der winzigsten Bewegung nach vorne könnt ihr eine Veränderung spüren: Der Strick gibt sofort nach.

Linda hält ihre Position, auch wenn sich Sparky bewegt: Das Seil wird sofort nachgeben.

Versetzt euch in das Pferd hinein: Wenn wir als Mensch eine konstante Verbindung halten, wird das Pferd gleich merken, wenn es einen Schritt in die richtige Richtung denkt. Alleine das Verlagern des Gewichts einen Millimeter in die richtige Richtung wird dem Pferd dann schon vermitteln können, dass dies der von uns gewünschte Weg ist.

Ziehen wir jedoch immer weiter, ist diese direkte Belohnung nicht gegeben.

"Topfschlagen"

Mark Rashid vergleicht das gerne mit dem Kinderspiel "Topfschlagen": Das Kind, das mit den verbundenen Augen nach dem Topf sucht, wäre schnell frustriert, wenn wir erst am Ziel mit "heiß" antworten, anstatt es vorher mit "lauwarm" und "warm" schon in die Richtung des Topfes zu schicken.

Es geht also auch hierbei - mal wieder - um das Timing.

Achtet mal ganz bewusst darauf, ob ihr zieht oder konstant eure Position behaltet. Ihr werdet überrascht sein ;)

Wenn ihr Lust auf mehr habt, kauft euch doch einfach mal ein Buch von Mark Rashid. Ich kann seine Bücher wärmstens empfehlen! Das oben erwähnte Buch wird vorraussichtlich am 08.06.16 auf Deutsch im Kosmos-Verlag unter dem Titel "Pferde sanft führen" erscheinen.

Habt ihr noch Fragen, um das Konzept besser zu verstehen?

Hinterlasst mir doch einen Kommentar oder schreibt mir auf Facebook oder ropingmydream@gmx.de .

Bis zum nächsten Mal,

Nina

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