Donnerstag, 11. August 2016

Dem Pferd das Buckeln abgewöhnen

Liebe Leser,

meine Stute Glory ist ein wundervolles Pferd und ich liebe sie über alles. Ich habe sie im Jahr 2010 kennen gelernt und war gleich begeistert von ihr. Als ich sie dann ein Jahr später wieder in Kanada besuchte, war sie wie ausgewechselt. Abgesehen von anderen Dingen in denen Rückschritte passiert sind, hatte sie nun ein großes Laster: Sie buckelte.

Aber ich habe das Problem recht zügig lösen können, auch wenn wir beinahe jedes Jahr, das ich sie erneut besuchte, wieder von vorne anfangen mussten. Aber von Mal zu Mal hat sie es immer schneller verstanden.

Buckelnde Pferde jagen vielen Reitern Angst ein. Nicht nur, aber besonders Neueinsteigern und Reitern mit weniger Erfahrung.
Deswegen eines Vorweg: Angst kann gesund sein und ist in diesem Falle angemessen. Wenn man sich nicht in der Lage fühlt, einen Buckler sitzen zu können, dann gehört man auch nicht auf den Rücken eines solchen Pferdes!

Natürlich sucht man sich ein buckelndes Pferd nicht immer aus und sucht nach Möglichkeiten dieses Problem zu lösen. Aber das gehört grundsätzlich in die Hände eines Profis - das heißt: sucht euch Hilfe bei einem Trainer, Bereiter oder Reitlehrer.

In der heutigen Welt von schlecht ausgebildeten Schulpferden und Pferdebesitzern, die beim Pferdekauf über den Tisch gezogen wurden, kommt es allerdings immer wieder vor, dass man sich ungeplant auf einem buckelnden Pferd befindet und handeln muss, ohne dass gerade ein Trainer zur Hand ist. Den sollte man aber anschließend hinzuziehen.

Ursachen

Natürlich sollte man ersteinmal die Ursache des Buckelns herausfinden. Das kann viele Gründe haben:

- Eine falsche und/oder zu schnelle Ausbildung
- Eine schlechte Erfahrung während der Ausbildung
- Falsch sitzende und schmerzende Ausrüstungen
- Anatomische Probleme oder gar Zahnprobleme
- Ein unausbalancierter Reiter
- Übermuht

Alles was dem Pferd Schmerzen bereiten könnte, sollte ausgeschlossen werden, bevor man anfängt zu trainieren. Erst kürzlich haben wir uns über ein wirklich tolles Pferd unterhalten, dass damals als unreitbar verkauft wurde. Schließlich stellte sich heraus, dass er lediglich unsymetrische Schultern hatte und das Problem war mit einem Maßsattel gelöst.

Ansonsten ist es natürlich von Vorteil, die Vorgeschichte des Pferdes zu kennen. Bei Glory war das ganz einfach, man hat es mir gleich erzählt:

Glory war noch nicht lange eingeritten und auch damals wie heute fein zu reiten. Sie ist recht eigen und man muss genau das Mittelmaß finden ihr zu sagen, was man will, sich durchsetzen, ihr aber auch zuhören. Fair bleiben ist dabei das A und O; wenn ich ihr nicht auch gleich sage, dass das was sie tat das Richtige war, dann wird sie missmutig. Das gleiche passiert, wenn ich sie mit ein und der selben Aufgabe zu lange beschäftige oder einfach nichts im Sattel fordere, dann wird ihr schnell langweilig.

Sie wurde in meiner Abwesenheit mit einer etwas härteren Hand geritten, der zudem auch das Timing fehlte, so dass nicht im richtigen Moment oder gar nicht nachgegeben wurde. Das frustierte sie natürlich und sie versuchte den Reiter loszuwerden.

Das hat sie auch geschafft. Der Reiter hatte anschließend Angst wieder aufzusteigen und hat Glory auf die Weide in den Feierabend entlassen. So hat sie gelernt, dass das Buckeln die richtige Antwort ist. Sie weiß nun "wenn ich buckel, fällt der Reiter früher oder später herunter und lässt mich dann in Ruhe".

Es ist nicht leicht aber man muss ruhig bleiben und vor allem fair zum Pferd sein! Einfach bestrafen hilft NICHT!

Wie in meinem letzten Post erwähnt, muss man die passende Lösung individuell finden. Heute möchte ich euch einige Beispiele geben, die euch im Notfall helfen können, die Situation kurzfristig aber vielleicht auch sogar langfristig unter Kontrolle zu bekommen. Dazu solltet ihr bereits sattelfest sein und ein gutes Gefühl für das Timing mitbringen.

1. Vorwärts reiten

Das erste buckelnde Pferd, dass ich bewusst geritten bin, war leicht zu knacken. Es war ein großes, dunkelbraunes Warmblut namens Sami und hat mich anfangs etwas eingeschüchtert. Die Buckler waren nicht besonders groß, aber ich fühlte, wie mein Gleichgewicht ins wanken geriet. Er machte das meistens, wenn wir traben oder galoppieren wollten.

Ich vermied einige Zeit einfach schnellere Gangarten, was definitiv nicht des Rätsels Lösung sein konnte, aber ich fühlte mich nicht sicher genug. Als dann der neue Sattel kam in dem ich einen wesentlich besseren Halt hatte, habe ich mein Selbstbewusstsein wieder gefunden.

Übrigens war der neue Sattel auch eine Idee, das Buckeln zu verhindern, der alte hatte nämlich nicht mehr gut gepasst. Allerdings war das Problem damit auch nicht direkt gelöst.

Sami setzte also wieder an zum Buckeln, während wir trabten und instinktiv versuchte ich schnell anzuhalten. Aber genau das ist der Fehler. Er war nämlich ein eher faules Pferd und entzog sich somit der Arbeit. Man rief mir zu, ich solle ihn vorwärts reiten und immer wenn er buckelte, treiben.

Andere Pferde (Glory, haha) mögen da vielleicht nur mit den Ohren schlackern und sich ins Fäustchen lachen aber für Sami hat das gereicht. Ich machte das viermal und hatte den Rest des Ausritts Ruhe. Nach dem dritten Ausritt hatte er nie wieder gebuckelt.

Man sagt auch: Ein Pferd das vorwärts geht, kann nicht buckeln. So ist es, wenn ihr euch buckelnde Pferde anschaut, werdet ihr sehen, dass sie dabei nicht wirklich viel Strecke zurück legen.

Wichtig hierbei ist: Sobald das Pferd gut läuft und nicht mehr über das Buckeln nachdenkt (ja, das kann man erfühlen lernen), muss man es in Ruhe lassen. Die treibende Hilfe setzt aus und erst dann wieder ein, wenn wir das Tempo wieder aufrecht erhalten müssen, verstärken wollen oder ein neuer Buckler kommt.

2. Volten

Was für das eine Pferd Wunder bewirkt, kann bei einem anderen nichts oder das Gegenteil bewirken. Bei Glory habe ich die erste Methode auch versucht, das hat sie aber beim zweiten Mal schon überhaupt nicht mehr interessiert. Sie hat sogar auf der Stelle, im Stehen gebuckelt und vorwärts treibende Hilfen hat sie einfach ignoriert.

Man hat mir vorgeschlagen eine Gerte zu benutzen, was ich in meiner Verzweiflung auch getan habe, aber selbst das hat nichts gebracht. Es gab kaum ein Pferd das mir deutlicher gesagt hat "So nicht!".

Mein erstes Problem war: Wie bekomme ich mein Pferd überhaupt vorwärts?

Ich wünschte es würde eine Erklärung dafür geben aber es war eigendlich nichts anderes als "Trial and Error". Irgendwann habe ich mein rechtes Zügelende neben dem Hals im Kreis geschwungen und als hätte sie die ganze Zeit darauf gewartet, ging sie ganz entspannt los. Ich muss ganz schön perplex ausgesehen haben.

Nun war das erste Problem zwar gelöst, das Buckeln war aber immer noch da. Auch hier zeigte sich das Buckeln immer dann, wenn ich die Geschwindigkeit erhöhen oder in die nächste Gangart wechseln wollte. Ich wollte Glory aber nicht bestrafen sondern die Möglichkeit geben eine Entscheidung zu treffen.

Immer wenn sie buckelte, verkürzte ich direkt den inneren Zügel und lenkte sie in eine enge Volte. Danach trieb ich sie erneut an und fragte sie, ob sie nicht doch meinen Tempovorschlag annehmen wollte.

Die Volte war anstrengend für sie, sie musste sich biegen und das war harte Arbeit. Sie begann also zu überlegen und kam irgendwann zu dem Entschluss: "Da gehe ich doch lieber vorwärts als die ganze Zeit im Kreis zu laufen, das ist ja noch viel anstregender." Sie hatte verstanden, dass die Konsequenz für das Buckeln, immer eine Volte war.


Da ich wusste, was uns beim antraben bevorsteht, habe ich Glory bereits im Schritt gut aufgewärmt
und Volten geritten und verkleinert, um sie vorzubereiten.
Oben seht ihr uns in einer Volte direkt nach dem Buckeln. Foto: Stephy E.

Nach dem das Antraben gut funktionierte und auch während dem Traben das Buckeln ausblieb, beendete ich das Training und griff das gleiche beim nächsten Mal wieder auf. Sie buckelte deutlich weniger und ich verlängerte die Trabphasen. Ich beendete das Training wieder als es gut lief. Erst als der Trab buckelfrei saß, begann ich mit dem Galopp.

Hier ging es wieder von vorne loß und ich spulte das gleiche Programm wie im Trab ab. Buckeln, Volte, erneut angaloppieren. Hier dauerte es zwar länger als im Trab, aber auch das lösten wir recht schnell.

Nun lag aber immer ein Jahr Pause zwischen meinen Besuchen bei ihr und jedes mal versuchte sie es aufs neue. Wer kann es ihr verübeln? Das zu erst Erlebte sitzt tief bei ihr, sie kann sich immer noch an "wenn ich buckel, fällt der Reiter früher oder später herunter und lässt mich dann in Ruhe" erinnern. Aber sie erinnerte sich auch an unser Training. Innerhalb von drei Tagen, war das Problem nämlich wieder aus der Welt. Ich arbeitete jeden Tag nur an einer Gangart, erst am Schritt, dann am Trab und schließlich am Galopp.

Das funktioniert natürlich alles nur mit dem richtigen Timing und Gefühl!


Zum Schluss darf ich glücklich sagen, dass sie richtig motiviert bei der Arbeit war und sich ihre Einstellung richtig zum Postitiven geändert hatte.

3. Vorbeugen

Am besten ist es natürlich wenn es gar nicht zum Buckeln kommt.


Sein eigenes Können richtig einschätzen

Ich kann es nicht oft genug sagen, aber wenn euch die nötige Erfahrung und Sattelfestigkeit fehlt, dann setzt euch nicht auf ein Pferd, bei dem ihr nicht wisst ob ihr euch oben halten könnt. Das kann nämlich nicht nur lebensgefährlich für euch werden, sondern bringt dem Pferd gleich bei, wie es den Reiter los werden kann. Wenn es das einmal gelernt hat, kann man das erstmal nicht so schnell Rückgängig machen. Ihr habt ja gelesen, wie tief diese Erinnerung bei Glory sitzt.

Den Kopf nach oben bringen

Was ebenfalls helfen kann ist den Kopf des Pferdes nach oben zu bringen. Natürlich heißt ein nach unten genommener Kopf nicht immer, dass das Pferd buckeln will. Nochmal: Man muss sein Pferd lesen lernen! Aber wenn ihr das Gefühl habt, das Pferd nimmt den Kopf nach unten um zu buckeln, dann versucht ihn mit den Zügeln nach oben zu bringen. Das ist natürlich keine Dauerlösung, hilft euch aber vielleicht in einem Notfall.

Oberes Bild: Der Kopf ist zwar unten, aber entspannt. Unteres Bild: Ich merke wie Glory den Kopf zum Buckeln
nach unten nimmt. Fotos: Stephy E.


Das Pferd beschäftigen

Bei einem Pferd wie Glory, dass durch langeweile auf dumme Gedanken kommt, hilft Beschäftigung. Ich habe herausgefunden, dass wenn ich mit Stangen und Pylonen arbeite, sie so konzentriert ist, dass sie sogar vergisst zu buckeln. Sie ist ein richtiges Trail-Pferdchen.

Foto: Stephy E.

 Es kommt aber auf das Pferd an. Calando hat sich früher eher aufgeregt, wenn ich z.B. Stangen benutzt oder ihm Trail-Hindernisse präsentiert habe.

Ich hoffe ihr werdet die Tipps nie brauchen müssen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit buckelnden Pferden gemacht?

Erzählt mir eure Geschichte! Hinterlasst einen Kommentar unter dem Post, auf Facebook oder schreibt mir eine persönliche Nachricht mit euren Fragen.

Bis zum nächsten Mal

Nina



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