Donnerstag, 6. Oktober 2016

Glory's Diary: Erste Schritte unter'm Sattel

Liebe Leser,

ja meine Glory ist bereits eingeritten, trotzdem war es fast so spannend wie beim "Starten" eines jungen Pferdes, als ich das erste mal nach zweieinhalb Jahren wieder auf ihrem Rücken sitzen durfte.

Dieser Erfahrungsbericht bezieht sich zwar mehr auf das "restarting", das erneute Anreiten eines Pferdes, ist aber gar nicht so weit entfernt vom tatsächlich Anreiten eines jungen Pferdes. Nur würde ich da vermutlich langsamer vorgehen.

Glory hatte im Laufe der Jahre immer wieder lange Reitpausen von etwa einem Jahr gehabt. Wenn ich dann wieder zu Besuch in Kanada war und sie zum ersten mal wieder ritt, lief das meist immer gleich ab: Erst gab es Theater, dann legte sich das ganze schnell wieder.

Wenn ihr uns noch nicht so lange verfolgt: Als sechsjährige habe ich Glory als tolles, junges Pferd kennen gelernt. Als ich dann ein Jahr später wieder kam, hatte sie zwar keine Reitpause hinter sich, jedoch wohl den ein oder anderen nicht so fördernden Reiter gehabt. Sie hat einen Reiter abgebuckelt und wurde anschließend gleich auf die Weide gestellt. Seit jeher konfrontierte sie mich bei jedem neuen Besuch in den ersten Trainingseinheiten mit in der Ecke stehen bleiben und buckeln.

Wie ich das Problem immer gut und schnell gelöst habe, könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen.

Nun war ich nach der über doppelt so langen Pause natürlich sehr gespannt. Wird das "Theater" doppelt so schlimm sein? Oder ist es jetzt so lange her und hat die intensive Vorbereitung vom Boden aus, ähnlich wie bei der Vorbereitung zum Anreiten, eine Art Neustart bewirkt und das Problem bereits aus der Welt geschaffen?

Zum ersten mal im Sattel

Das erste mal ergab sich eigentlich ganz spontan. Ich hatte es für diesen Tag überhaupt nicht geplant ins Training einzubauen.

Glory hat jedoch sehr schön mitgearbeitet, war sehr entspannt und mit der Aufmerksamkeit bei mir. Ich wollte eigentlich nur unsere Aufsteighilfe neben sie stellen, um zu sehen ob sie sich daran noch erinnert und ob sie dabei ruhig stehen bliebt.

Wie ihr wisst entscheidet Glory in unserem Training wann wir den nächsten Schritt gehen und nachdem sie sich eher gelangweilt zeigte, als ich den Hocker von einer Seite auf die andere stellte, ging ich einen Schritt weiter. Ich stellte mich mehrmals von beiden Seiten auf den Hocker, streichelte sie von dort aus, klopfte auf dem Sattel herum, wedelte mit meiner Hand hoch über ihr und stellte fest, dass sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Ich bin ja eigentlich jemand, der es bei so einem positiven Ergebnis eher mal belässt, es als guten Abschluss nimmt und dann am nächsten Tag weiter macht. Mir klingelten aber noch die Worte in den Ohren "Nicht überfordern, aber auch nicht unterfordern." Also stellte ich einfach spontan einen Fuß in den Steigbügel, gab ein wenig Druck darauf und wartete auf ihre Reaktion.

Foto: Spiegelwelt Fotografie

Ihre Ohren waren zu mir nach hinten gerichtet, die Aufmerksamkeit auf jeden Fall bei mir, ihre Körperhalten sprach aber voll und ganz von Entspannung. Ich wiederholte das ganze ein paar mal von beiden Seiten und wechselte dazwischen immer mal wieder die Stelle, auf der wir uns auf dem Reitplatz befanden.

Tja, und dann packte es mich einfach und ich setzte mich drauf. Sofort ging der Hals runter und sie streckte sich. Sie entspannte sich gleich wieder sobald ich im Sattel saß, als würde sie sich erinnern: "Achso, ja das kenn ich noch". Ich kraulte sie bloß und stieg gleich wieder ab, wiederholte das ganze von der anderen Seite und führte sie anschließen mit einem breiten Grinsen zum Putzplatz in den Feierabend.

Erste Schritte

Euphorisch wie ich war, nahm ich mir vor am nächsten Tag gleich dort anzuknüpfen.

Foto: Speigelwelt Fotografie

Ich wiederholte die Schritte vom Vortag - etwas Bodenarbeit, Longieren, die Vorbereitung mit dem Hocker - und setzte mich dann wieder in den Sattel. Ich kraulte sie, stieg wieder ab und stieg dann von der anderen Seite nochmal auf.

Mein Plan war es, sie nur fünf, sechs Schritte antreten zu lassen und dann wieder abzusteigen. Immerhin ging es mir nur um die Vorbereitung und ich war mit unserem Sattel noch nicht zufrieden. Er passte nicht optimal und würde rutschen, wenn ich eine enge Wendung reiten würde.

Das Anreiten und wieder Anhalten klappte super, sie wusste tatsächlich noch ganz genau, was die Hilfen bedeuteten. Ich war begeistert.

Dann machte ich allerdings einen kleinen Fehler. Anstatt nun wie geplant abzusteigen, wollte ich dann doch nochmal erneut anreiten. Das hätte ich nicht tun sollen. Denn die Hilfen waren nicht das einzige, an das sie sich erinnerte. Sie fing bereits an, ihr "Programm" abzuspulen.

Und zwar fängt es mit harmlosen, kleinen Kicken des Hinterbeins unter den Bauch an und verwandelt sich, wenn man es nicht von anfang an unterbindet, in Buckeln auf der Stelle um. Normalerweise kein Problem, ein paar Volten lösen das bei ihr schnell und gut... aber da war ja noch was. Der unpassende Sattel. Damit konnte ich Volten reiten vergessen.


Wir hätten vielleicht vorher nach einem besseren Sattel gucken sollten. Foto: Spiegelwelt Fotografie

Ich hatte das Glück sie einfach in eine kurve Reiten zu können, woraufhin sie ihr kurzes Kicken zufällig pausierte. Die Gelegenheit nutzte ich zum Absteigen, ärgerte mich aber über meine eigene Unvorsichtigkeit. Eigentlich hatte ich es ja vorher gewusst, habe mich jedoch hinreißen lassen.

Das ganze hatte vermutlich keine ganze Minute gedauert und es ist nicht wirklich etwas passiert, aber gerade bei diesen Einschätzungen verkalkuliere ich mich selten, da ich immer eher vorsichtig bin und einen Schritt zurück gehe anstatt einen zu weit. Ich ärgerte mich und setzte als nächstes auf die Liste, Glorys Rücken zu vermessen und einen besseren Sattel zu finden.

Der erste Ritt

Nachdem wir einen besseren Sattel gefunden hatten, ging es weiter. Ich begann wieder mit den bereits bekannten Schritten zur Vorbereitung und ritt schließlich an.

Dazu fällt mir ein Zitat ein, das ich irgendwann mal irgendwo gelesen habe: "If you climb into saddle, be ready for the ride!"

Und diesmal war ich auch "ready". Nach zwei Schritten ging es schon los: Sie weigerte sich vorwärts zu gehen und trat mit einem Hinterbein. Treiben hilft hier nicht mehr, aber ich kenne meine Glory ja schon lange genug um zu wissen, dass der Trick darin liegt, einmal kurz mit dem Zügelende zu schwingen.

Foto: Spiegelwelt Fotografie
 Es ging weiter, aber nicht lange da kickte sie wieder. Diesmal konnte ich die Bewegung jedoch nutzen und sie in eine enge Volte lenken. Danach gab ich ihr wieder die Möglichkeit entspannt vorwärts zu gehen. Nach wenigen Wiederholungen war das Spielchen vorbei.

Foto: Spiegelwelt Fotografie

Ein paar Mal wollte sie die Richtung bestimmen und manchmal wollte sie ungefragt antraben. Auch hier war die Volte unser Hilfsmittel und nach kurzer Zeit hatte sie verstanden, dass es viel einfacher war mitzumachen und ihr dabei auch niemand etwas unfaires tat.

Nach ca. 15 Minuten stieg ich ab, als sie entspannt ganze Bahn ging, ohne auf irgendwelche anderen Ideen zu kommen.

Das schönste dabei? Sie ist immer noch meine Glory, genau so wie ich sie immer kannte. Wir konnten schnell zueinander finden, uns aufeinander einlassen und trotz anfänglicher Schwierigkeiten das Gefühl von Harmonie finden.

Habt ihr ein Pferd schonmal nach einer langen Pause wieder "neu angeritten"?

Bisher kenne ich dazu kaum Erfahrungsberichte. Ich würde mich über eure Erzählungen freuen - hinterlasst einen Kommentar oder schreibt auf Facebook!

Bis zum nächsten Mal

Nina

Eine kurze Information zum Schluss: Die Bilder mit Glory wurden alle am gleichen Tag aufgenommen und zwar an dem Tag, den ich zuletzt beschrieben habe. Von unseren anderen zwei Versuchen gibt es leider keine Bilder.

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