Sonntag, 9. April 2017

Glory's Diary: Back to the basics

Liebe Leser,

ich versuche euch nun nach und nach an meiner "Reise" mit Glory teilhaben zu lassen. Nachdem wir die anfänglichen Schwierigkeiten mit dem altbekannten Manko "Buckeln statt Vorwärts" hinter uns gelassen haben, ging es erstmal um Beschäftigung. Nach dem Hofturnier war es dann irgendwann mit dem Spielzeug vorbei und es ging los, mit der richtigen Arbeit auf dem Reitplatz.

(Mehr zum Thema Buckeln findest du hier und Ideen für Trail-Hindernisse im Alltag hier!)



Immer wieder benutzte ich Hütchen zur Abwechslung, aber immer mehr konnte ich auch einfach mal auf dem puren Platz reiten. Und das war unser Ziel: Entspannung in Schritt und Trab finden.

Auch wenn es besser wurde, Glory war oft abgelenkt. Auch nach einigen Wochen war noch vieles neu und auch heute noch, wird nach jedem Fußgänger, Fahrradfahrer oder Auto der Kopf gereckt und geguckt. Mittlerweile nicht mehr so extrem, ein leichter Impuls am inneren Zügel reicht nun fast schon aus, um sie wieder zu mir zu holen - je nach Tagesform. Damals war das fast unmöglich und gesprächig war sie dazu auch noch.

Sie hat sobald sie alleine war, gekräht wie ein Hengst nach einer rossigen Stute. Erstaunlicherweise, arbeitete sie dabei trotzdem noch gut mit. Es stresste sie bloß so sehr, dass sie teilweise sogar bis zu sieben mal in einer halben Stunde äppelte. Sie wieherte, wenn ein Vogel kreischte, wenn jemand mit der Schubkarre kam und wenn ein anderes Pferd über den Hof ging, war es gänzlich vorbei. Zum Glück ließ das alles irgendwann nach.



Mit einem anderen Pferd auf dem Platz oder den angrenzenden Paddocks, hatte ich diese Probleme generell nie. Nur irgendwann war auch mein Urlaub vorbei und ich musste zu Uhrzeiten kommen, die meine Arbeit diktierte und nicht die, die meinem Pferd gefielen. Deswegen waren wir häufig ohne Pferdegesellschaft auf dem Platz, aber auch das musste sie lernen.

Ich versuchte sie in solchen Momenten zu beschäftigen und gab ihr mit verschiedenen Aufgaben wie Volten, Richtungswechsel, Stoppen, Anreiten usw. einen Grund, mit der Aufmerksamkeit bei mir zu sein. Dabei versuchte ich einfach ruhig zu bleiben und ihr zu vermitteln, dass es keinen Grund gab sich aufzuregen. Bald war die Entspannung im Schritt schnell erreicht. Ich glaube dazu trug auch die Bodenarbeit bei und unser regelmäßiger Umgang, bei dem sie lernte, dass sie mir vertrauen kann.

Bei unserem ersten Trabversuch, war ich äußerst überrascht, dass sie nicht versuchen wollte zu buckeln. Normalerweise probierte sie es immer dann, wenn man zum ersten mal versuchte, die nächst höhere Gangart abzufragen. Ich freute mich total, dass sie diesmal keinen Gedanken daran verschwendete.

Woran wir allerdings sehr lange zu arbeiten hatten, war das Tempo. Glory ist von Natur aus mit einem zügigen Grundtempo gesegnet, der Trab allerdings, war schneller als er sein sollte. Das hing hauptsächlich mit der mentalen Verfassung zusammen: Sie war aufgeregt und somit schnell unterwegs. Auf der Flucht, sozusagen. Dabei fasste sie oftmals meinen seitwärts einwirkenden Schenkel, als treibende Hilfe auf.



Also gingen wir nochmal einen Schritt zurück: In der Bodenarbeit vermittelte ich Glory, wie sie auf den seitlichen Schenkel zu reagieren hat. Wir übten Vor- und Hinterhandwendung am Boden. Das ganze transportierten wir dann in den Sattel. Das ging nicht von heute auf morgen und dauerte auch eine ganze Weile, bis sie vor dem seitlichen Schenkel nicht mehr davon lief. Auch jetzt versucht sie es noch manchmal im Trab, ebenfalls je nach Tagesform.

Ein weiteres Hilfsmittel meinerseits war wie so oft mit dem richtigen Timing verbunden: Lief sie eine Weile ruhiger, anfangs nur wenige Schritte, gab es sofort eine Pause. Dabei half mir auch die Bodenarbeit: vom Longieren kannte Glory bereits das Stimmkommando zum langsamer werden.
"Easy" heißt für sie durchparieren in die nächst niedrigere Gangart. Deute ich das Wort nur an, soll sie das Tempo reduzieren. Am Boden hat sie dies in Verbindung mit meiner Körpersprache gelernt.

Ich bin eigentlich kein großer Freund von Stimmkommandos, ich setzte sie nur sehr sparmsam ein und mein Ziel ist es, irgendwann auf sie verzichten zu können. Für die anfängliche Ausbildung können sie jedoch sehr nützlich sein.

Glory hat extrem feinfühlig auf meine Stimme reagiert. Also halfen mir diverse Stimmkommandos, Glory andere Hilfen aus dem Sattel bezubringen. Ein Beispiel: Reagierte sie auf meine Gewichtshilfe nicht, hat auch das verkürzen der Zügel zum Anhalten rein gar nichts genützt. Sie wurde eher nervöser. Das vertraute Wort "Easy" jedoch, brachte sie gleich dazu langsamer zu werden uns sich sogar zu entspannen.



Leider hat es seine Zeit gedauert, bis ich das Wort richtig und regelmäßig vom Sattel aus eingesetzte habe, da ich der Meinung war, dass meinem sensiblen Pferd eine Gewichtshilfe genügen sollte. Aber hier sieht man wieder: Man sollte sich dem Pferd individuell widmen und den Weg finden, der für eben dieses bestimmte Pferd am einfachsten ist. Glory hat mir gesagt, dass für sie das altbekannte Stimmkommando sehr verständlich ist und ich ihr somit mehr Klarheit geben kann.

Dadurch, aber vor allem auch durch das regelmäßige Training, wurde es allmählich besser. Ich merkte immer mehr, wie sie sich einlebte, wohler fühlte und entspannter wurde. Das ist das beste, was man tun kann: Am Ball bleiben, auch wenn es manchmal anstrengend ist. Meinen Trainingsabschluss habe ich nach Glorys mentaler Verfassung gewählt: Sobald sie entspannt lief, beendete ich das Training.

Mittlerweile ist das Tempo im Trab nur noch phasenweise ein Problem und hat meist einen ganz bestimmten Auslöser, wie zum Beispiel das Müllauto, dass sie gar nicht leiden mag. Dann entscheide ich sogar situtationsbedingt, dass Durchparieren und 2-3 Minuten Abwarten und im Schritt arbeiten besser ist. Danach können wir dann wieder ganz entspannt weiter machen. Denn weder für Glory, noch für mich ist es schön, wenn sie mit durchgedrücktem Rücken läuft.

Heute dachte ich wieder für einen Moment, dass es kein guter Tag war. Dann erinnerte ich mich aber an das, was wir schon alles geschafft haben. Ich bemerkte, dass wir ganz alleine ohne andere Pferde waren und hatte unsere heutigen Ergebnisse mit solchen verglichen, die wir sonst nur erziehlen, wenn wir in einer entspannten Umgebung mit Artgenossen sind.



Unser Tagesziel ist nach wie vor ein entspanntes Pferd. Glory fängt an, sich selbst zu tragen und geht streckenweise wirklich schön, unsere Übergänge sind nicht mehr holprig und werden immer korrekter. Seit ein paar Wochen arbeiten wir nun am Galopp, hier fügt sie ab und an doch noch gerne einen Buckler hinzu. Aber das bekommen wir auch langsam in den Griff.

Bis zum nächsten Mal

Nina



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