Sonntag, 21. Januar 2018

Wie soll es weitergehen? // RANT


Hallo Pferdefreunde und Leser, seid ihr noch da?

Ja, ja, ich lebe noch, auch wenn es lange kein Lebenszeichen von mir gab. Kein Frohe Weihnachten kein Frohes Neues…

Ich frage mich ehrlich gesagt, warum ich meinen Blog noch weiterführen soll.

Warum ist es in letzter Zeit so ruhig geworden? Nun, das liegt zum einen nach wie vor daran, dass ich in meiner bereits geringen Freizeit kaum Zeit finde mich an den PC zu setzen, zum anderen daran, dass ich Umgezogen bin und noch weniger Zeit zur Verfügung stand als sonst. Aber das ist es nicht wirklich, zumindest nicht alles.

Achtung, es folgt ein „rant“…

Warum habe ich damals meinen Blog gestartet? Warum diese Seite? Ich wollte mein bisher erlangtes Wissen teilen, in der Hoffnung bei dem einen oder anderen Pferdemenschen ein Licht ins Dunkle zu bringen und dadurch zumindest einem Pferd ein komfortableres Leben zu ermöglichen. Die Welt verbessern, wie naiv von mir.

Was ich nicht wollte?
Eine dieser hunderten von „guck mal hier mein Pferd“ oder „hier meine neue Schabrackensammlung“ oder „schaut auf meine Erfolge“ –Seiten zu werden. Nichts negatives daran aber ich bin absolut nicht so eine Person.

Und wie sieht’s aus? Tatsächlich scheinen sich (wenn überhaupt) die meisten Leute nur für hübsche Bilder von meinem Pferd zu interessieren. Dabei tue ich mich ohnehin schwer damit, Bilder von mir mit Pferd hochzuladen, denn irgendwer findet immer irgendetwas auszusetzen – natürlich, wir sind noch lange nicht am Ende unserer Ausbildung angelangt. Aber das Internet ist natürlich gnadenlos. 

Ich bin zwar bisher verschont worden, aber ich fühle mich aus vielen Gründen seltsam, wenn ich einfach nur ein Foto hoch lade oder nur berichte, was bei uns so los ist („guck mal hier mein Pferd“ usw.).

Die Leute, die ich wirklich erreichen will, lesen das hier und meinen Blog doch überhaupt nicht. Entweder finden mich Pferdemenschen, die das Konzept schon längst verstanden haben oder mir sogar voraus sind. Wenn mich überhaupt jemand findet.

Die Leute die ich erreichen will, sind aber die, denen es an den Grundlagen mangelt. Leute, die täglich ihr Pferd als A*loch bezeichnen, weil es ein Verhalten zeigt, dass sie ihm eigentlich unbewusst selbst beigebracht haben. Menschen, die ihr Pferd anschreien, weil sie denken, das würde es verstehen. Menschen, die glauben ein Pferd sei mit Kraft oder Angst zu beherrschen und Menschen die meinen, das Pferd wäre dumm, wenn es sich vor einem Baumstamm erschreckt. Solche, die Pferden menschliches Verhalten wie „Planen“ oder „Streiche aushecken“ ankreiden oder gar glauben, ein Pferd würde sich auf eine bestimmte Weise verhalten, weil es eine Woche lang „böse“ auf seinen Besitzer wäre.

Auch Leute, die meinen es gäbe ein Schema F und die gerne Abkürzungen benutzen um ihr Ziel möglichst schnell zu erreichen, ohne Rücksicht auf Verluste (z.B. in Qualität, Verständnis und Wohlbefinden).

Aber genau die Menschen, wollen meist gar nicht hören was ich zu sagen habe. Sie würden nie auf die Idee kommen, sich überhaupt richtig mit solch einem Thema auseinanderzusetzen und aktiv nach lehrreichen Inhalten oder Hilfe zu suchen. Und wenn doch, dann wird alles was nicht zum bisherigen Weltbild passt aussortiert und nur das gehört, was einem gefällt.

Dann soll man schreiben, was das Publikum anspricht, was den Leuten gefällt. Dann heißt es wieder, man soll schreiben, was einem auf dem Herzen liegt. Letzteres fällt einem immer leichter aber wenn es keiner lesen will? Wozu?

Ich bin kein Experte, was ich wirklich ständig erwähne, damit bloß keiner mit dem Finger auf mich zeigen und sagen kann „die da tut so als wäre sie ein Pferdetrainer, dabei hat sie nie einen Schein/Abschluss gemacht“. Hab ich auch nicht, habe ich nie behauptet aber trotzdem – muss ich mich schlecht fühlen, wenn ich mich traue aufzustehen und meine Erfahrung zu teilen? Die habe ich nämlich sehr wohl. Gleichzeitig denke ich an die vielen Leute, die mit ihrer 30-Jährigen Pferdeerfahrung prahlen und trotzdem zu oben genannter Rubrik gehören.

Da bleibt dann doch ständig das Gefühl, sich beweisen zu müssen, Referenzen zu bringen und sich trotzdem immer so zu fühlen, als würde gleich jemand behaupten man hätte überhaupt kein Recht seine Erfahrung zu teilen.

Weder bin ich allwissend, noch ein Experte oder Trainer, dennoch bin ich gut in dem was ich tue. Ich mag vielleicht nicht der beste Reiter (oder Reitlehrer) der Welt sein, aber einem Anfänger oder fehlgeleiteten Reiter die Basis für die Kommunikation am Boden und im Sattel beizubringen, zählt definitiv zu meinen Stärken. Und ja, es hat nun so viele Jahre gedauert, dass ich mich traue, das hier öffentlich zu schreiben. Aber ich glaube schon, dass ich ein sehr gutes Verständnis davon habe, wie ein Pferd denkt, lernt und uns und unsere Umwelt wahrnimmt. Auch ohne Trainerschein oder Pferdewirtausbildung.

Natürlich blicke auch ich auf manch meiner alten Artikel zurück und erkenne, dass ich manche Dinge nun anders sehe. Aber das heißt trotzdem nicht, dass ich ein schlechter Pferdemensch war. Es zeigt, dass ich mich weiterentwickle, stetig dazulerne und offen für Neues bin. Und große Pferdemenschen zu denen ich aufschaue, wie z.B. Mark Rashid, blicken auch auf Ihre ersten Bücher und Kurse zurück und stellen fest, dass sie heute einiges anders machen würden. Trotzdem war es nicht falsch, was sie taten und konnten damals Menschen und Pferden helfen.

Tatsächlich hat mir das alles nie jemand vorgeworfen. Trotzdem sind diese Gedanken alle in meinem Kopf. Niemand will mir etwas böses, natürlich kommt das alles nun sehr negativ herüber. Ich hatte durchaus gute Erfahrungen mit meinerm Blog gemacht, nur merke ich nun, dass er nicht (mehr?) das ist, was ich eigentlich will. Mein Ziel wird nicht erreicht. Und selbst frage ich mich schon wieder, ob das hier überhaupt jemanden interessiert, jemand liest und ob der Zeitaufwand es überhaupt wert ist.

Die Sache ist die, wenn man nur sehr wenig Zeit zur verfügung hat, macht sich sehr genau Gedanken darüber, für was man sie opfert.

Tja und nun? Warum dann dieser Text?

Ich wünsche mir vielleicht nur, dass wenigstens eine Person bis hier gekommen ist und mir sagen kann, wie ich meine wahre Zielgruppe erreichen kann. 

Ich weiß, Wunschdenken...

Falls sich jemand umgeschaut hat, wird ihm/ihr aufgefallen sein, dass nur noch wenige Artikel auf dem Blog veröffentlicht sind. Ich habe alle alten Artikel entfernt, auch solche, die ich heute noch genau so unterschreiben würde. Die einzigen Artikel die geblieben sind, sind solche, zu denen ich tatsächlich noch Rückmeldungen bekomme und über die ich so tatsächlich noch Lesern helfen kann und Glory's Tagebuch. Zu letzterem werde ich mir noch Gedanken machen.

Erstmal so viel: Wenn es hier weitergehen soll, dann anders.

Normalerweise schreibe ich zum Abschluss immer „bis zum nächsten Mal“ – aber ich weiß nicht, ob ich das noch versprechen kann.


Kommentare:

  1. Hoi Nina
    Ich lese deinen Blog regelmässig. Ich freue mich immer, wenn ich von dir oder deiner und Glory's Reise höre. Ich hoffe aber sehr, dass ich nicht zu der ignoranten Kategorie gehöre, auch wenn du diese gerne ansprechen würdest :) Ich finde aber deine berichte trotzdem sehr spannend, auch wenn du von den kleinen Bucklern erzählst die Glory anfangs gerne machte, und die du glaubs ziemlich locker siehst.
    Da ich kein eigenes Pferd habe, sondern nur Reituntericht nehmen kann, geben mir Berichte rund ums Pferd viele wichtige Inputs. Ich freue mich, wenn ich selbst später mal eins besitzen sollte, auf ein breiteres Wissen schauen zu können, als wenn ich nur klassisch Reitstunden genommen hätte.
    Ich würde mich freuen mehr von dir zu hören. Liebe Grüsse Susanne

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    1. Hallo Susanne,
      vielen Dank für deine Antwort, schön von dir zu hören!
      Ich glaube ich muss meinen Blog eine weile Ruhe lassen. Ich werde ihn dennoch nicht vom Netz nehmen. Sollte es weitergehen - ob hier oder woanders - wirst du es auf jeden Fall hier erfahren.
      Es freut mich sehr, dass du den Blog regelmäßig liest und mir hier dein Feedback gibst, nochmals vielen Dank!
      Deine Einstellung dein Wissen neben dem Reitunterricht zu erweitern ist genau richtig, mach weiter so!
      Liebe Grüße
      Nina

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